JurPC Web-Dok. 61/1999 - DOI 10.7328/jurpcb/199914456

Markus Junker *

Rezension: GRUR-CD-ROM Edition 1998

JurPC Web-Dok. 61/1999, Abs. 1 - 12


Autorenprofil
GRUR-CD-ROM Edition 1998
Elektronische Informationen zum gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht (deutsch/englisch)
GRUR (1948-1997), GRUR Int. (1952-1997), IIC (1970-1997)
2 CD-ROM's mit Handbuch
Wiley-VCH Verlag GmbH
Deutsche Vereinigung für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht
Köln-Weinheim-Chichester- New York-Brisbane-Singapore 1998
DM 3.700,-
ISBN 3-527-28889-9
Eine Bibliothek mit zusammen über 100 Jahrgängen der drei renommierten Zeitschriften "Gewerblicher Rechtsschutz" (GRUR), "Gewerblicher Rechtsschutz - Internationaler Teil" (GRUR Int.) und "International Review of Industrial Property and Copyright Law" (IIC) auf lediglich zwei CD-ROM's - im digitalen Zeitalter eröffnen sich dem Freund des Gewerblichen Rechtsschutzes und Urheberrechts neue Dimensionen. Die GRUR-CD-ROM ist nunmehr seit fünf Jahren auf dem Markt und hat von allen Seiten Lob erfahren. Und das mit Recht!JurPC Web-Dok.
61/1999, Abs. 1

I. Installation und Start

Die Installation der Software ist denkbar einfach. Der Anwender kann zwischen einer (von dem Rezensenten nicht getesteten) DOS-Oberfläche und einer Windows-Oberfläche wählen. Unter Windows ist die Installation sowohl mit einem als auch mit zwei CD-ROM-Laufwerken möglich. Weitere ausführliche Hinweise zur Bedienung sind in dem 67 Seiten starken Handbuch oder in der elektronischen Hilfe zu finden, die ein Arbeiten ohne Medienbruch ermöglicht. Der Gang in die digitale Bibliothek beginnt mit einem Mausklick auf den grünen GRUR-Start-Icon. Es erscheint die aus anderen Windows-Anwendungen bekannte Menüleiste.Abs. 2

II. Die GRUR-CD-ROM auf dem Prüfstand

1. Suche

Der Menübefehl "Suche" eröffnet zwei Optionen. Zum einen ist eine Suche mit Hilfe der Inhaltsverzeichnisse der Zeitschriften möglich, die allerdings bereits Vorinformationen zur Fundstelle des gesuchten Dokuments voraussetzt.Abs. 3
Ist die Fundstelle des Dokuments nicht bekannt, so beginnt die Suche mit der Suchmaske. Dabei sei auf jeden Fall im Handbuch die Lektüre der Erläuterungen der einzelnen Eingabefelder und der einzelnen Operatoren angeraten. Bei der Suche mit Hilfe der Normen(-kette) muß der Anwender beispielsweise darauf achten, daß er die Anführungszeichen am Anfang und Ende des Ausdrucks sowie die Leerzeichen setzt und die Reihenfolge Gesetzesname-Paragraph-Nummer einhält (z.B. "WZG § 31").Abs. 4
Da im Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht die meisten Gerichtsentscheidungen einen unverwechselbaren Namen erhalten, liegt in diesen Fällen ein Einstieg über das Eingabefeld "Stichwort" nahe. Bei einer Suche nach der "White Christmas"-Entscheidung des BGH findet man mit dem Stichwort "White Christmas" die Veröffentlichungen in deutscher Sprache in GRUR 1979, 637 und in englischer Sprache in IIC 1980, 544. Die Vorteile der digitalen gegenüber der herkömmlichen Bibliothek bei der wissenschaftlichen Arbeit offenbaren sich in besonderem Maß bei der Suche im "Volltext". Nach der Eingabe von "White Christmas" erhält man 26 Treffer und findet so auch eine Reihe weiterführender Aufsätze und Entscheidungen, welche die "White Christmas"-Entscheidung zitieren.Abs. 5
Die gefundenen Dokumente werden zunächst in einer Trefferliste angezeigt und lassen sich von dort aus aufrufen. Dabei sind die gesuchten Wörter in den jeweiligen Dokumenten farblich markiert. Eine versteckte, aber dennoch sehr interessante Funktion: Innerhalb der Texte kann man durch einen Doppelklick der rechten Maustaste die Verbindung zu weiteren Dokumenten herstellen.Abs. 6

2. Inhalte

Für die Qualität der Inhalte der CD-ROM bürgen die Namen der Herausgeber der GRUR (Jacobs/Mes), GRUR Int. (Schricker/Beier) und IIC (Schricker/Beier/Cornish/Pagenberg). Laut Handbuch sind in der Datenbank mit Ausnahme der "Übersicht über den Stand der internationalen Verträge auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes" sowie der "Übersicht über den Stand der internationalen Verträge auf dem Gebiet des Urheberrechts" (beides GRUR Int.) sämtliche Original-Zeitschriftenbeiträge enthalten; die in früheren Jahren in GRUR Int. aufzufindenden Kurzberichte sollen allerdings erst in der nächsten Edition hinzukommen.Abs. 7
Der Prüfstein juristischer Volltext-CD-ROM's ist denn auch seltener der Inhalt als die technische Umsetzung. So zeigt sich insbesondere bei der Datenerfassung durch Einscannen die Sorgfalt des Herstellers. Auch das Handbuch der GRUR-CD-ROM warnt davor, daß es bei diesem Vorgang zwangsläufig zu Fehlern gegenüber der Papierversion kommt. Ziel muß es daher sein, im Rahmen der Updates diese Fehler zu korrigieren. Ein häufig lohnenswerter Weg ist der Blick in den Index. Auf diese Weise findet man beispielsweise für „Saarbrücken" die Schreibweise „saabrücken" (GRUR 1995, 151). Andere Fehler findet man durch Zufall: Die Suche nach "JurPC" ergibt einen Treffer und führt zu "JurPc" (GRUR 1995, 649, Fußnote 4 mit Verweis auf OLG Frankfurt, JurPC 1993, 2098). Es wäre jedoch ein Schnellschuß, diese Fehler dem Einscannen zuzuschieben. In den beiden genannten Fällen existieren sie bereits in der Papiervorlage. Daraus zu schließen, damit erübrige sich eine Korrektur, wäre fatal. Hier lauert nämlich die Gefahr, daß eine Suche mit den korrekten Suchwörtern Dokumente nicht findet und dem Anwender somit wichtige Informationen entgehen. Um bei aller Kritik keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: In dem Testzeitraum von drei Monaten sind keine Fehler aufgetreten, die in irgendeiner Weise die Arbeit mit dem Software-Produkt beeinträchtigt hätten.Abs. 8

3. Funktionen

Die Anzeige der Dokumente auf dem Bildschirm ist gelungen. Die Angabe der Originalseitenumbrüche der Papierversion ermöglicht ein seitengenaues Zitieren. Die insbesondere im Markenrecht häufig mitabgedruckten Abbildungen sind ebenso wie die Fußnoten durch einen Mausklick aufrufbar und erscheinen in separaten Fenstern. Die einzelnen Dokumente auf der CD-ROM sind durch die aus dem World Wide Web bekannten Hyperlinks miteinander verknüpft. Wo man früher umständlich den benötigten Jahrgang suchen, darin blättern und die einzelnen Bände auf dem Schreibtisch übereinander stapeln mußte, genügt nun ein Klick mit der Maus. Selbst ältere Juristen, die dem Lesen am Bildschirm gegenüber kritisch eingestellt sind und an ihren alten Gewohnheiten festhalten, dürften sich auf diese Weise zum "Schmökern" in der GRUR-CD-ROM eingeladen fühlen.Abs. 9
Für die Zukunft wäre es wünschenswert, diese Hypertextverknüpfungen weiter auszubauen. So erlauben bereits jetzt die juristischen Softwareprodukte des Verlags C.H. Beck den Aufruf von Dokumenten anderer CD-ROM's (vgl. Junker, Rezension: LSK - Leitsatzkartei des deutschen Rechts auf CD-ROM für Windows, Edition 3/98, JurPC Web-Dok. 119/1998). Mit Blick auf die Entwicklung hin zum Law-on-Demand könnte man sich auch eine Querverlinkung zu anderen Online-Datenbanken wie beispielsweise juris denken, zumal auch die GRUR, GRUR Int. und IIC seit dem 1. Juni 1998 in der Datenbank GENIOS online recherchierbar sind.Abs. 10
Da sich die Arbeit mit den Dokumenten regelmäßig nicht in der Lektüre am Bildschirm erschöpft, stehen dem Anwender die üblichen Funktionen zur Weiterverarbeitung zur Verfügung: Er kann die Dokumente ausdrucken oder in eine andere Datei kopieren. Die GRUR-CD-ROM bietet auch die mittlerweile weit verbreitete Möglichkeit, mit Hilfe einer Notizfunktion zu einzelnen Dokumenten eigene Anmerkungen anzubringen und damit - so das Handbuch - "in eigener Sache Dokumentation zu betreiben".Abs. 11

III. Die GRUR-CD-ROM - eine Empfehlung wert!

Was das Verhältnis von Preis und Leistung betrifft, so erscheinen die zunächst vielleicht hoch anmutenden Anschaffungskosten in Höhe von DM 3.700,- in einem anderen Licht, wenn man sie mit dem wesentlich teureren Äquivalent in Papier vergleicht. Zudem bietet die CD-ROM effektivere Recherchemöglichkeiten und verbraucht keinen Stellplatz in der Bibliothek. Allerdings ist zu bedenken, daß die Updates nur jährlich erfolgen, während die Zeitschriften jeden bzw. jeden zweiten Monat erscheinen (Update: DM 860,-, bei gleichzeitigem Bezug einer der drei Zeitschriften DM 750,-). Auch kann die Bibliothek in der Kanzlei von allen genutzt werden, ohne daß Mehrkosten anfielen. Sobald die GRUR-CD-ROM aber nicht mehr nur auf einem Einzelarbeitsplatz, sondern in einem Netzwerk mit mehreren Arbeitsplätzen installiert ist, sind die im beigefügten Kaufvertrag genannten Sonderregelungen zu beachten (25 % Aufschlag für jeden zusätzlichen User). Dabei sollte die Einhaltung dieser urheberrechtlichen Bestimmungen gerade bei dem Adressatenkreis dieses Produkts eine Ehrensache sein. Alles in allem überzeugt die GRUR-CD-ROM mit Preis und Leistung. Wer einen schnellen Zugriff auf wichtige Entscheidungen, Aufsätze und Materialien zum Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht benötigt und ohnehin am PC arbeitet, dem kann man die GRUR-CD-ROM vorbehaltlos weiterempfehlen.
JurPC Web-Dok.
61/1999, Abs. 12
* Markus Junker ist Rechtsreferendar am Oberlandesgericht des Saarlandes und Mitarbeiter bei Prof. Dr. Herberger am Institut für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes (E-Mail: m.junker@rz.uni-sb.de). Er betreut seit 1997 die Abteilung „Urheberrecht" des Instituts für Rechtsinformatik (WWW: http://www.jura.uni-sb.de/urheberrecht/). Besonderer Dank gilt der WILEY-VCH Verlag GmbH für die Überlassung eines Rezensionsexemplars.
[online seit: 01.04.99]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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