JurPC Web-Dok. 69/2008 - DOI 10.7328/jurpcb/200823473

Michaela Stecher *

Rezension: Thomas Pietsch / Corinna V. Lang (Hrsg.): Ressourcenmanagement - Umsetzung, Effizienz und Nachhaltigkeit mit IT

JurPC Web-Dok. 69/2008, Abs. 1 - 20


Thomas Pietsch / Corinna V. Lang (Hrsg.)
Ressourcenmanagement - Umsetzung, Effizienz und Nachhaltigkeit mit IT
ISBN 978-3-503-10026-2
Erich Schmidt Verlag Berlin 2007
237 Seiten
Der Umgang mit Umweltressourcen ist eine der Kernfragen in aktuellen Umwelt- und Klimaschutzdebatten. Als Wirtschaftsfaktor sowie Gegenstand politischer Ziele und rechtlicher Vorgaben gewinnt ihre Verteilung an Bedeutung. Als Beispiele seien hier nur das Europäische Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem für Organisationen nach der EMAS- Verordnung und das Umweltinformationsgesetz (UIG) genannt, die jeweils hohe Anforderungen stellen. Steigende Rohstoffpreise und Wettbewerbsdruck schüren darüber hinaus ein betriebliches Interesse an der Harmonisierung ökologischer und ökonomischer Ziele. Um diese in der Praxis jedoch auch tatsächlich erreichen zu können, bedarf es eines effizienten und transparenten Ressourcenmanagements. Der im Folgenden besprochene Sammelband setzt an diesem Punkt an. JurPC Web-Dok.
69/2008, Abs. 1
Angesichts der Komplexität betrieblicher Arbeitsabläufe und der Fülle von zu erfassenden Umweltdaten ist ein effizientes Ressourcenmanagement in Unternehmen heutzutage ohne den Einsatz moderner Informationstechnologie (IT) nicht möglich. Die Herausgeber vermitteln mit der Zusammenstellung von dreizehn Beiträgen von Verfassern, die überwiegend aus dem Bereich der Wirtschaftsinformatik kommen, Einblicke in das breit gefächerte Spektrum der aktuellen Herausforderungen im IT-basierten Ressourcenmanagement. Dies dürfte in der Praxis insbesondere für Geschäftsführer, Controller, EDV- und Umweltbeauftragte und andere an der Unternehmensentwicklung Beteiligte von Interesse sein. Abs. 2
Dank des einleitenden Beitrags von Corinna V. Lang wird auch der in der IT nicht versierte Leser prägnant in die Einsatzmöglichkeiten und - varianten von Betrieblichen Umweltinformationssystemen (BUIS) eingeführt. Erst durch sie könnten Umweltdaten aus Geschäftsprozessen umfassend berücksichtigt werden, da die BUIS zum einen der Erfassung, Verarbeitung und Auswertung von umweltrelevanten Daten und Umweltinformationen dienen und zum anderen ökonomische Daten unter ökologischen Gesichtspunkten für das Management auswerten. Entscheidungsrelevante Informationen könnten auf diesem Wege nicht nur umfassend und valide sondern auch kostengünstig bereitgestellt werden. Der Einsatz eines ganzheitlichen BUIS kann ressourcenbezogene Unternehmensprozesse analysieren, bewerten, optimieren und dokumentieren und somit Entwicklungspotentiale des Unternehmens freisetzen oder zumindest transparent machen. Abs. 3
Thomas Pietsch stellt im folgenden Beitrag die vielfältigen und komplexen Möglichkeiten von Sourcing-Varianten in Unternehmen in verständlicher Weise dar. Danach zeigt die Erfahrung, dass Unternehmen mit dem Outsourcing von Dienstleistungen oder Produktherstellungen oft nicht den erhofften wirtschaftlichen Gewinn erzielen, sondern sich im Gegenteil vielfach neuen Problemen gegenüber sehen. Ein erfolgreiches Sourcing- Konzept beruhe nicht auf allgemein gültigen Strategien, sondern erfordere eine genaue Bedarfsanalyse, um den spezifischen Unternehmenszielen gerecht werden zu können. Der Beitrag bietet einen Überblick über verschiedene Optionen und schließt mit weiterführenden, klar strukturierten Handlungsempfehlungen. Abs. 4
Ähnlich wie bereits der erste Beitrag betrachtet dann Ian Molloy das Potential und die Schwierigkeiten der ganzheitlichen Integration von IT in das Umweltmanagement näher. Mit den bisher am meisten verwendeten IT- Produkten werde keine Vereinfachung erreicht, sondern eher ein erhöhter Aufwand für das Umweltmanagement verursacht. Dabei werde das große Potential des betrieblichen Umweltmanagements jedoch nicht genutzt: Ökologische Schwachstellen könnten beseitigt werden, Kostensenkungspotentiale identifiziert und die Wettbewerbsfähigkeit bereits wegen des geringeren Ressourcenverbrauchs gesteigert werden. Den Schwierigkeiten einer IT-Planung für ein betriebliches Umweltmanagement begegnet der Autor mit einer speziellen Situationsanalyse, Zielplanung, Strategieentwicklung und einer abschließenden Maßnahmenplanung. Abs. 5
Stefan Odebrecht widmet sich der Managementunterstützung durch unternehmensweites Controlling. Controller sollten in der Lage sein, Entscheidungsträgern richtige Informationen zu unterbreiten oder zumindest Unsicherheiten einer Entscheidungslage einzugrenzen und transparent zu machen. Die Transparenzverantwortung des Controllings stelle insofern die Rationalität der Führung sicher. Der praxisbezogene Beitrag erschöpft sich nicht in der Definition wesentlicher Aufgabenbereiche und Methoden, sondern geht auch fachlich vertieft auf konkrete Umsetzungsmöglichkeiten des Umweltcontrollings durch Kennzahlensysteme ein. Abs. 6
Das zweite Kapitel konzentriert sich auf Ressourcenfreisetzung und - nutzung. Es beginnt mit einem Beitrag von Ulrich Schaaf zur Mobilisierung betrieblicher Ressourcen durch den Umweltbeauftragten. Das Gesetz sieht in unterschiedlichen fachlichen Zusammenhängen besondere Betriebsbeauftragte, z.B. für Immissionsschutz, Störfälle, Abfälle, Gewässerschutz und Datenschutz vor. Die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben, Schwierigkeiten, Handlungsoptionen und Einsatzmöglichkeiten, denen ein Umweltbeauftragter begegne, werden anschaulich und ausführlich dargestellt. Abs. 7
Markus Becker, Hardy Menzel und Sebastian Mönnich weisen auf weitere Möglichkeiten hin, die der Einsatz von ganzheitlichen BUIS bietet: Sämtliche erforderlichen Informationen könnten zeitsparend, insbesondere durch eine effizientere Nutzung von Mitarbeiterressourcen zur Verfügung gestellt werden. Die Autoren bieten eine Marktübersicht und eine Darstellung der Anwendungsfelder von BUIS und sehen Entwicklungspotential für integrierte Softwarelösungen, die nicht nur wie bisher spezielle Aufgabenbereiche des Umweltmanagements (z.B. Stoffstrommanagement oder Abfallmanagement) sondern sämtliche Aufgabenfelder des Umweltmanagements abdecken. Abs. 8
Im Kapitel "IT-Unterstützung für das Ressourcenmanagement" geben Nico Brehm und Jorge Marx Gómez einen fachlich tiefgehenden Einblick in die Web-Service-basierte Referenzarchitektur für Föderierte Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP-Systeme). Mit Hilfe eines solchen Systems wird der möglichst effiziente Einsatz der in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) unterstützt. Der hier beschriebene Ansatz soll durch verbesserte Kooperationsmöglichkeiten für verschiedene Abteilungen innerhalb eines Unternehmens zur betrieblichen Effizienzsteigerung beitragen, indem Funktionen beliebiger Anbieter bedarfsgerecht und parallel genutzt werden. Abs. 9
Ebenso fachkundig unterbreitet Claus Rautenstrauch einen Vorschlag zur Kopplung von BUIS mit Betrieblichen Anwendungssystemen wie z.B. ERP-Systemen über Service-orientierte Architekturen, um so beide Systemwelten ohne tiefere Eingriffe in eine der beiden Systemwelten integrieren zu können. Abs. 10
Peter Zschockelt schildert in seinem Beitrag, inwieweit die Datenbanktechnologie für Datenerfassung, - systematisierung und - speicherung speziell in der Umweltinformatik weiterführend eingesetzt werden könnte, um beispielsweise rechtlichen Pflichten zur Berichterstattung über Umweltdaten, insbesondere Daten über den CO2-Emissionsrechtehandel, die Förderung erneuerbarer Energien und Informationen nach dem UIG nachkommen zu können. Abs. 11
Mit dem vierten Kapitel "Der Faktor Mensch im Ressourcenmanagement" wird der spezielle Bezug zu Umweltinformationssystemen aufgegeben und auf das allgemeine Zusammenwirken von IT, Personaleinsatz und Effizienz eingegangen. Abs. 12
Wilhelm Fais berichtet über den Verlauf eines Projekts, dessen Ziel die Erstellung eines individuellen Softwaresystems für ein mittelständisches Unternehmen war. Im Zentrum seiner Betrachtung stehen die Schwierigkeiten und Widerstände, die sich aus seiner Sicht bei Projekteinführung und - umsetzung auf der Personalebene ergaben. Der Verfasser zeigt, welchen praktischen Hürden die Einführung IT-basierter Effizienzsteigerung in Organisationen begegne: Personalmanagement und klar formulierte Ziele könnten dabei wesentlich zum (Miss-)Erfolg eines Projekts beitragen. Abs. 13
Der zweite Beitrag zu diesem Themenbereich widmet sich der Frage, welche Charakteristika der Schriftsprache, insbesondere in Emails, dem Empfänger Aufschluss über die Befindlichkeit des Senders oder die Beschaffenheit der Kommunikationssituation vermitteln. Die Verfasser Hartmut Heinrich und Daniela Stokar von Neuforn sehen den zielgerichteten Einsatz von textbasierter Sprachrezeption auch als wirtschaftliche Ressource an, da allein der Text Nähe, Akzeptanz, Wertschätzung und Interesse zu signalisieren vermöge und somit zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beitragen könne. Abs. 14
Abschließend wird der Leser informiert über die derzeitigen Qualifizierungsmöglichkeiten im IT-basierten Ressourcenmanagement. Die Anforderungen der Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen an eine zeitgemäße Fachhochschulausbildung in der Wirtschaftsinformatik sind Gegenstand des Beitrags von Reinhard Ginnold. Abs. 15
Christian Müller hingegen wirbt für die Erstellung eines webbasierten internationalen Studienführers im Fach Wirtschaftsinformatik an Fachhochschulen und entwirft ein entsprechendes Konzept. Kritisch ist anzumerken, dass eine abschließende Durchsicht des Beitrags auf Rechtschreibung und Grammatik wünschenswert gewesen wäre. Abs. 16
Der hier besprochene Sammelband gibt den derzeitigen Stand der Umweltdatenerfassung und - verarbeitung wieder. Die einzelnen Beiträge verlangen teilweise sehr unterschiedliche Vorkenntnisse des Lesers, vermitteln in ihrer Gesamtschau jedoch auch dem informationstechnologisch nicht vorgebildeten Leser einen klaren Einblick in die Problemstellung. Die Vereinbarkeit von Umweltschutz und wirtschaftlichem Erfolg stellt sich in der Praxis auch als interdisziplinäre Querschnittsaufgabe dar, die ökologische, wirtschaftliche, rechtliche und informationstechnologische Aspekte zu berücksichtigen hat. Der Sammelband leistet insofern einen weiterführenden Beitrag, um bestehende Umsetzungsprobleme transparent zu machen und Entwicklungsperspektiven darzustellen. Für das Erreichen von betrieblichen Umweltzielen ist dies eine unverzichtbare Voraussetzung. Abs. 17

Summary:
Handling and efficient use of environmental resources has become an important issue in economic, legal and political respect. As there are many regulations and political objectives that require a thorough determination of environment-related data, resource management on an IT-basis gets more and more important, if not essential. Abs. 18
The reviewed publication "Ressourcenmanagement", edited by Thomas Pietsch and Corinna V. Lang, comprises thirteen articles by IT-specialists on the current status, problems and development perspectives in the application of IT-based environmental resource management. As presented, it is still a major challenge to install systems that can collect and analyze economic as well as ecologic data. Special programs that are able to provide both have already been developed and successfully applied but still are not widespread. In the articles it is commented on how problems of combining different IT-systems can be solved and where new and better solutions should be developed. Abs. 19
Since environmental resource management is an interdisciplinary task that demands economic, legal, ecologic and IT-knowledge, the publication can be also recommended to interested non-experts participating in enterprise development.
JurPC Web-Dok.
69/2008, Abs. 20
* Autorin: Ass. jur. Michaela Stecher, Hamburg
[ online seit: 22.04.2008 ]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.
Zitiervorschlag: Stecher, Michaela, Rezension: Thomas Pietsch / Corinna V. Lang (Hrsg.): Ressourcenmanagement - Umsetzung, Effizienz und Nachhaltigkeit mit IT - JurPC-Web-Dok. 0069/2008


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