Home › JurPC Web-Dok. 11/2002 Rede zum Tagesordnungspunkt
Vorwort der Redaktion: Sehr geehrte Damen und Herren, mich hat das Internet immer besonders als Mittel der Demokratie interessiert. Als ein unkontrollierter, unzensierbarer Raum zum freien Informations- und Kommunikationsaustausch. In der Tat glaube ich, dass Online-Wahlen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, aber gerade auch für Jugendliche eine Hilfe oder eine zusätzliche Motivation sein könnten, sich an Wahlen zu beteiligen. Ich unterstütze daher auch den vorliegenden CDU-Antrag an die Bundesregierung, die rechtlichen und technischen Voraussetzungen darzustellen. Ich muss aber ganz klar sagen, dass ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt und für die kommenden Jahre strikt gegen die Durchführung von Online-Wahlen bin. Zur Zeit können sie bestenfalls eine angeblich bestehende Sicherheit des Internets suggerieren. Eine Sicherheit, die es gar nicht gibt! Akzeptanz für die Sicherheit des Internets gewinnen wir einzig und allein durch ein wirklich SICHERES Internet. Davon sind wir jedoch meilenweit entfernt. Und die Bundesregierung tut derzeit alles dafür, dass wir immer weniger Vertrauen in die Sicherheit unserer Daten haben können. Die geplante Telekommunikationsüberwachungsverordnung ist auch nach gründlicher Überarbeitung immer noch ein Freibrief für den Überwachungsstaat. Auch die von der Bundesregierung zumindest mitgetragene Cybercrime-Konvention wird einschneidende Folgen für den Schutz der persönlichen Daten haben. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass das Vertrauen in das Internet wächst, wenn die Nutzer immer weniger davon ausgehen können, dass ihre Kommunikation wirklich anonym ist! Einerseits wird das Netz zu einem durchsichtigen Gebilde und auf der anderen Seite wollen Sie den Leuten erklären, ihre Anonymität wäre hundertprozentig zu gewährleisten. Genau das aber wäre bei einer Wahl die Voraussetzung. Auch hat sich die Regierung in ihren Kryptographie-Eckpunkten von 1999 nicht darauf verständigen können, einer staatlichen Reglementierung starker Verschlüsselung ein für alle mal eine Absage zu erteilen. Im Gegenteil, Sie haben sich ein Türchen offen gehalten, und wollten darüber dieses Jahr im Juni wieder befinden. Auf den angekündigten Bericht warten wir noch. Ich bin gespannt. Auch von der versprochenen Förderung starker Kryptographie im Alltag hat man leider bis heute kaum etwas bemerkt. Meine Damen und Herren, Wie gesagt, Online-Wahlen JA, aber nicht als Feigenblatt eines total kontrollierten Internets. * Angela Marquardt ist Abgeordnete der Bundestagsfraktion der PDS. E-Mail: angela.marquardt@bundestag.de |