Home › JurPC Web-Dok. 202/2001 Rezension: Puppe/Ziegler/Martin/Hupp, Wissensbasierte Diagnosesysteme im Service-Support - Konzepte und Erfahrungen
Die in dem Buch zusammengefassten 13 Aufsätze geben einen Einblick in Umsetzungsmöglichkeiten und Einsatzerfahrungen mit Expertensystemen in verschiedenen Aufgabenbereichen. Die ersten zehn Aufsätze behandeln einen Problemschwerpunkt, die letzten drei stellen jeweils als Fallstudien ein komplettes Expertensystem vor. Alle vorgestellten Systeme und Konzepte basieren auf dem Epertensystem-Shell-Baukasten D3. D3 wurde am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz und Angewandte In-formatik (Prof. Dr. Frank Puppe) der Universität Würzburg entwickelt. Die Aufsätze sind in folgende Kapitel zusammengefasst: I. Einführung II. Entwicklung von Diagnosesystemen mit Wissensformalisierungsmustern III. Kooperierende und integrierte Diagnosesysteme IV. Organisation und betriebliche Einführung V. Erfahrungen. Auf der Begleit-CD-ROM ist die Software, ein Online-Handbuch, ein Tutorial und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung enthalten. Die gleichen Dateien können auch von der D3-Homepage heruntergeladen werden.(1) In keinem der Aufsätze wird auf die Möglichkeiten der Unterstützung juristischer Entscheidungsfindung mit Hilfe eines auf D3 basierenden Systems eingegangen.(2) Die beschriebenen Systeme stammen dagegen aus den Bereichen Botanik (Baumerkennung), medizinische Diagnose und technische Fehlersuche. Wo liegt also der Wert des Buches für den Juristen? Durch viele Beispiele und die große Zahl an Illustrationen (Screenshots und schematische Darstellungen) wird sehr gut deutlich, wie ein Expertensystem in der Praxis genutzt werden kann, d.h. wie die Dialogoberfläche gestaltet werden kann, auf welche Weise verschiedene Dokumente (in den Beispielen etwa technische Dokumentationen, Bestellformulare, Stücklisten, Videos etc.) in das System eingebunden werden können. Möglichkeiten zur Integration eines Expertensystems in das Internet werden ebenfalls an mehreren Beispielen aufgezeigt. Der gedankliche Transfer auf den juristischen Bereich erfordert jetzt nicht mehr viel Phantasie: Vor dem geistigen Auge tausche man die technische Dokumentation gegen einen Online-Kommentar, das Bestellformular gegen die aus einer Datenbank aufgerufene Entscheidung und die Stückliste gegen eine Gesetzesnorm aus. Man darf sich daher auch nicht durch die Begriffswahl irritieren lassen: Zwar deutet der Begriff "Diagnose" auf den Einsatzschwerpunkt im medizinischen Bereich hin. Man kann statt "Diagnosesystem" jedoch genauso gut "Rechtsfolgenbestimmungssystem" lesen. Im folgenden möchte ich zwei der dreizehn Aufsätze näher vorstellen, die ich im Hinblick auf juristische Einsatzzwecke für besonders aufschlussreich halte: Beitrag 5: Komplexitätsreduktion durch grafische
Wissensabstraktion, von Stefan Bamberger/Ute Gappa/Franziska Klügl/Frank
Puppe, S. 52 - 71 Beitrag 7: Diagnostik im Internet - Bedarf, Realisierung und
Stand der Technik, von Mitchel Berberich, S. 92 - 113
Wer bereits Erfahrung mit der Entwicklung juristischer Expertensysteme hat, könnte aus einigen der Aufsätze wertvolle Anregungen beziehen. Lobenswert ist auch, dass alle 15 Autoren mit Kontaktadresse und E-mail aufgeführt sind. Ein Wehmutstropfen ist allerdings der hohe Preis von DM 89,-. * Arndt Bohrer ist Diplom-Ingenieur Maschinenbau und hat das Erste Juristische Staatsexamen erfolgreich absolviert. Er promoviert im Bereich juristischer Expertensysteme bei Prof. Dr. Herberger, Universität des Saarlandes, und betreut die Seite "Juristische Expertensysteme" beim Juristischen Internet-Projekt Saarbrücken, http://www.jura.uni-sb.de/projekte/expertensysteme/. |