Home › JurPC Web-Dok. 100/1999 Rezension FamRZ-CD-ROM
Jetzt ist sie erschienen: die 8. Auflage der FamRZ-CD-ROM in Windows-Version. Im folgenden sollen die Neuerungen untersucht, eventuelle
weitere Kritikpunkte gesucht werden und schließlich soll der Frage
nachgegangen werden, ob die schon erörterten Schwächen beseitigt
worden sind. Was die grundsätzlichen Fragen betrifft, kann auf die
Besprechung von Kockler, JurPC Web-Dok. 148/1998verwiesen werden. Wesentlich neu ist die Erweiterung der Volltextdatenbank um die
Jahrgänge 1998, sowie 1992 bis 1990 einschließlich, während die
7. Auflage den Volltext nur von 1997 bis 1993 einschließlich enthielt.
Jetzt werden also neun Jahrgänge statt bisher fünf Jahrgänge im
Volltext angeboten und dies zum gleichen Preis, was positiv zu vermerken ist. Bei dieser Funktion drängt sich aber ein anderes Problem
auf. Neben der in der CD-ROM enthaltenen 16-seitigen Broschüre mit den wichtigsten Hinweisen enthält das Programm eine Hilfefunktion, die so vollständig ist, daß ein Handbuch tatsächlich überflüssig ist. Allerdings ist der Hinweis in der Broschüre, daß der Verlag sich über jede Anregung freut, die er gerne aufgreifen möchte, bisher nicht umgesetzt worden. Sämtliche von Kockler (JurPC Web-Dok. 148/98) zu Recht vorgebrachten Verbesserungsvorschläge sind nämlich nicht aufgegriffen worden. Dies betrifft zum einen den Wunsch, daß die Verknüpfung zu Synonyma auch auf die Indexfelder ausgedehnt bzw. weiter vervollständigt werden sollte. So findet man nach wie vor auf der CD keine Fundstelle, wenn man nur den Autor "Bosch" eingibt, auch nicht wenn man mit Hilfe des Indexfelds "Bosch, F.W." eingibt. Finden läßt sich der Autor dann, wenn man trunkiert "Bosch*" eingibt. Auch die fehlende Verknüpfung mit synonymen Begriffen bei der Suche nach Gerichten ist nicht beseitigt worden. So ist nach wie vor das Kammergericht nicht zu finden. Selbst dann nicht, wenn man trunkiert "Kammergericht*" eingibt, obwohl diese Methode bei der Suche nach Autoren funktioniert. Erfolg hat man erst wenn man KG eingibt. Hier liegt eine widersprüchliche Suchfunktion vor. Im Buch "Rechtsprechung" funktioniert eine Suchfunktion nicht, die im Buch "Literatur" funktioniert. Dieser Unterschied sollte beseitigt werden. Soweit nach einer dem Benutzer bekannten Entscheidung recherchiert wird, kann mit Hilfe der Suchmaske nach Datum, Aktenzeichen, Spruchkörper, Vorinstanz oder Fundstelle aus der FamRZ unproblematisch die betreffende Entscheidung gefunden werden. Sucht man dagegen nach einer dem Benutzer unbekannten
Entscheidung, wird es kompliziert und zwar aus folgenden Gründen: Sucht man etwa unter Abänderung, so kann es sich um die Abänderung des Versorgungsausgleichs oder aber um eine Abänderungsklage handeln, wobei die Abänderungsklage selbst wiederum verschiedenste Sachgebiete (Kindesunterhalt, Getrenntlebendenunterhalt, Verwandtenunterhalt, Geschiedenenunterhalt, Unterhalt für die Mutter eines Kindes, dessen Eltern nicht verheiratet sind, u.s.w.) betreffen kann. Will man was beinahe täglich notwendig ist - etwa
die Düsseldorfer Tabelle 1998 suchen, und recherchiert man im Buch "Literatur",
so erscheinen 30 Treffer, wobei dann weiter zu filtern ist, bis das gewünschte
Dokument erscheint. Eine CD-ROM, die eine Fachzeitschrift zum Familienrecht und zum Erbrecht elektronisch darstellt, hat ja nicht nur den Sinn, die Zeitschrift abzubilden, sondern soll als Datenbank die Suche nach einschlägigen Entscheidungen erleichtern. Ohne ausdifferenzierten Suchbaum ist dies aber nur möglich, wenn ein erfahrener Datenbanknutzer mit fundierten Kenntnissen im Familienrecht das Suchformular mit den richtigen Suchwörtern füttert, weil er andernfalls beim Ausfiltern der nicht einschlägigen Entscheidungen wertvolle Zeit verliert, die er durch die Benutzung der CD gerade sparen will. Insgesamt könnte mit Hilfe eines ausdifferenzierten Suchbaums die Recherche erheblich erleichtert werden. In der Hilfefunktion des Programms wird zutreffend von "komplexer Suche" gesprochen mit Hilfe der logischen Operatoren "und, oder, nahe, vor" evtl. kombiniert mit gewissen Abständen oder aber mit Hilfe der Synonymdatenbank aus deren Listen man zu einem gewählten Suchbegriff sinnverwandte Wörter und Begriffe auswählen kann. Die Einträge dieser thematisch sortierten Listen werden bei der Übernahme in die Suchmaske automatisch mit den benötigten logischen Operatoren verknüpft. Diese Technik - nämlich entweder die logischen Operatoren oder die Synonymdatenbank einzusetzen - hat eine gewisse abschreckende Wirkung und versucht im Grunde lediglich das Manko des fehlenden ausdifferenzierten Suchbaums zu überspielen. Hier muß der Verlag wohl nachbessern. Rechts von der Suchmaske befindet sich neben den Schaltflächen für die Bücher "Literatur" und "Rechtsprechung" ein weiteres Symbol namens "Digilex". Hierbei handelt es sich um eine elektronische Gesetzessammlung zum Zivil-, Handels-, Familien-, Straf- und Verkehrsrecht. Mit diesem Programm können insbesondere markierte Gesetzesstellen in Dokumenten der FamRZ-CD-ROM komfortabel durch Mausklick im Wortlaut aufgerufen und bei Bedarf neben dem Text der Entscheidung in ein Word-Dokument exportiert werden, was bei der Abfassung von Schriftsätzen oder Entscheidungen sehr hilfreich sein kann. Ein Anklicken dieses Symbols ist jedoch zwecklos, weil das Programm nicht auf der CD enthalten ist, sondern für DM 64 erworben werden muß (update DM 32). Auch dies ist ein nicht hinzunehmendes Manko, weil es bei der Recherche immer wieder erforderlich ist, den Gesetzestext heranzuziehen, was am leichtesten möglich ist, wenn die wichtigsten Texte auf der CD enthalten sind. Insofern ist das Programm Digilex eigentlich unverzichtbar. Statt des nicht unbedingt notwendigen Programms Notepick, hätte man sich besser dazu entschlossen, das dringend benötigte Programm Digilex mitzuliefern. Eine Hotline wird zwar angeboten, diese ist aber leider nicht gebührenfrei (Tel.: 0 97 21- 806149). Die Kosten eines Ferngespräch zu den üblichen Geschäftszeiten wegen programmbedingter Probleme sollten aber nicht auf den Nutzer umgelegt werden, der die CD teuer erstanden hat. I. Kritik:
II. Empfehlungen für die Neuauflage:
Wenn diese Empfehlungen umgesetzt würden, würde sich die CD zum unentbehrlichen Arbeitsmittel für jeden im Familien- und Erbrecht tätigen Juristen entwickeln. * Walter Müller ist seit 1986 Richter am Amtsgericht Saarbrücken. Seit 1992 ist er Familienrichter beim Amtsgericht - Familiengericht - Saarbrücken. |