JurPC Web-Dok. 114/2007 - DOI 10.7328/jurpcb/2007228115

Thomas Walter Haug *

Datenbankrecherche mit 'Westlaw' und 'LexisNexis' im Vergleich  —  Ein Erfahrungsbericht

JurPC Web-Dok. 114/2007, Abs. 1 - 24


I n h a l t s ü b e r s i c h t
1) Einführung
2) Anzahl der Suchtreffer
3) Direkte Zugriffsmöglichkeit auf die gefundenen Ergebnisse
4) Relevanz der gefundenen Ergebnisse
5) Übersichtlichkeit der Menüführung
6) Fazit

1) Einführung

Eine wissenschaftliche Recherche ist für Juristen der Gegenwart ohne die Unterstützung von elektronischen Datenbanken kaum mehr vorstellbar. Selbst Rechtsstudenten können sich die technische Unterstützung durch 'JURIS', der in Deutschland vorherrschenden Datenbank, nicht mehr wegdenken. Trotz seiner Bewährung bekommt 'JURIS' in Deutschland seit geraumer Zeit immer mehr Konkurrenz von den Datenbankbetreibern 'Westlaw'(1)und 'Lexis Nexis'(2), die aus dem angloamerikanischen Rechtsraum stammen. JurPC Web-Dok.
114/2007, Abs. 1
Im Rahmen einer englischsprachigen Recherche über den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten in der Dritten Welt - einem Rechtsproblem des Intellectual Property Law - konnte der Verfasser beide Systeme miteinander ausführlich vergleichen(3). Die persönlichen Erfahrungen werden im Folgenden dargestellt. Abs. 2

2) Anzahl der Suchtreffer

Insgesamt wurde mit vier verschiedenen Stichwortvarianten nach wissenschaftlichen Beiträgen in englischer Sprache gesucht. Abs. 3
Erstes Ergebnis war, dass 'LexisNexis' in allen vier Suchbereichen deutlich mehr Ergebnisse aufzeigte; stets mehr als das Doppelte der Anzahl der 'Westlaw' - Ergebnisse. So lieferte 'Westlaw' bei der am Weitesten angelegten Stichwortsuche, bei der die Stichworte "TRIPS and developing countries" eingegeben wurden, genau 100 Treffer, wohingegen es 'LexisNexis' auf 221 brachte. Abs. 4
Dieses Ergebnis scheint prima facie eine klare Sprache zu sprechen, wird allerdings noch zu relativieren sein, da die Anzahl der Suchergebnisse alleine noch nichts auszusagen vermag. Abs. 5

3) Direkte Zugriffsmöglichkeit auf die gefundenen Ergebnisse

Moderne Datenbanknutzer wünschen sich verstärkt, dass die aufgezeigten Ergebnisse direkt über die Datenbank als Volldatei gelesen werden können, da es eine sehr mühsame Arbeit ist, auf elektronischem Wege nicht gefundene Beiträge in den einzelnen Journalen in Hartversion zu suchen, z.B. in einer Rechtsbibliothek. Gerade im Bereich des internationalen Intellectual Property Law ist es unverzichtbar auf internationale englischsprachige Zeitschriften zurückzugreifen. Führt die jeweilige örtliche Rechtsbibliothek die gewünschte Zeitschrift nicht und kommt der Jurist auch nicht auf sonstige Weise an den gewünschten Beitrag heran, wird dies die Qualität seiner juristischen Arbeit natürlich nicht erhöhen. Abs. 6
Deswegen ist die Möglichkeit des direkten elektronischen Zugriffs auf die Vollversion von Artikeln von hoher Bedeutung. Diese Möglichkeit bieten beide Datenbankprovider, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Bei 'Westlaw' lassen sich leider nur wenige Artikel direkt lesen, da 'Westlaw' dafür keine Lizenzen hat. Dagegen scheint dem Verfasser die Quote der gefundenen Artikel in abrufbarer Vollversion bei LexisNexis wesentlich höher zu sein. Abs. 7
Folgende Beispiele sollen diese Erfahrung belegen: In beiden Datenbanken hat der Verfasser die Suchbegriffe "TRIPS and medicines" eingegeben. Westlaw listet 70 Treffer auf, wovon allerdings nur 21 als Vollversion zugänglich sind. Die gleiche Recherche bei LexisNexis ergibt 86 Treffer, wovon stolze 80 als Vollversion zugänglich sind. In einer anderen Suche wurden die Begriffe "TRIPS and drugs" eingegeben(4). Hier lassen sich bei 'LexisNexis' von 123 gefundenen Ergebnissen 117 abrufen, wohingegen bei 'Westlaw' die Quote nur bei 24:6 liegt. Abs. 8

4) Relevanz der gefundenen Ergebnisse

Es dürfte wie der Versuch klingen das Rad neu zu erfinden, wenn man betont, dass sich nicht notwendigerweise von der Quantität auf die Qualität schließen lässt; denn, ob ein Ergebnis als qualitativ hochwertig zu bewerten ist, hängt in erster Linie von seiner Relevanz hinsichtlich der eingegebenen Suchwörter ab. Abs. 9
Nehmen wir beispielhaft den Suchbegriff "TRIPS and drugs". An diesem Beispiel soll aufgezeigt werden, dass 'LexisNexis' übermäßig viele unbrauchbare Artikel findet, die teilweise noch nicht vom Ansatz her mit der Suchanfrage zu tun haben. So werden u.a. Artikel zu Drogenproblem mit strafrechtlichen Zusammenhängen geliefert, unverständlicherweise auch die Änderung der Rechtsverhältnisse für Stiefeltern im Britischen Familienrecht, Abtreibungsprobleme von Teenagern in den USA, oder auch ein Sachverhalt über Jugendliche, die mit dem Auto einen 'Trip' unternehmen. Mit der Suche nach den Stichworten Medikamenten und dem von der Welthandelsorganisation verwalteten TRIPS-Vertrag(5)haben solche Ergebnisse jedenfalls nichts zu tun. Abs. 10
Diese große Menge an irrelevanten Treffern vermag den großen Unterschied der Anzahl gefundener Artikel im Vergleich von 'LexisNexis' zu 'Westlaw' insgesamt zwar nicht zu rechtfertigen, kann ihn aber ein Wenig erklären. Abs. 11
Dennoch muss fairer Weise betont werden, dass 'LexisNexis' in absoluten Werten trotzdem mehr relevante Artikel liefert. Bei der Suchaufforderung "TRIPS and developing countries and drugs" konnte der Verfasser bei der 'LexisNexis'-Recherche von insgesamt 65 aufgezeigten Treffern noch neun Ergebnisse als wirklich relevant einstufen, wohingegen die 'Westlaw'-Recherche aus 13 aufgezeigten Treffern nur 3 wirklich relevante Treffer hervorbrachte. Dies ist eine dreifache Anzahl zu Gunsten von 'LexisNexis'. Abs. 12
Es zeigt, dass 'LexisNexis' in relativer Hinsicht zwar tendenziell mehr irrelevante Ergebnisse aufzeigt, in absoluten Werten jedoch mehr relevante Artikel präsentiert. Letzteres werden erfolgreiche Juristen sicherlich als entscheidend betrachten müssen. Abs. 13

5) Übersichtlichkeit der Menüführung

'LexisNexis' listet alle gefundenen Ergebnisse in Form der Fundstellen und der Überschriften der Artikel auf. Diese Technik erschwert oben genannte Relevanzprüfung oftmals recht stark. Abs. 14
Um bei einer 'LexisNexis'-Recherche herauszufinden, ob ein Artikel relevant ist, muss der Benutzer auf die Überschrift klicken um den Artikel zu öffnen und dann dort feststellen, ob die Suchbegriffe nur beiläufig innerhalb des gefundenen Textes genannt werden, oder ob sie das Kernthema des gefunden Artikels darstellen. Abs. 15
Dies kann man bei 'LexisNexis' recht gut erkennen, da das neu geöffnete Dokument direkt zu den rot markierten Suchbegriffen innerhalb des Textes springt, die der Recherche zu Grunde liegen. Dadurch zeigt sich bereits, wie weit "unten" sich das Stichwort befindet, was durchaus als Indiz für die Relevanz des Suchbegriffs im Kontext des gefundenen Artikels dienen kann. Abs. 16
Dieses Öffnen des Artikels führt bei 'LexisNexis' jedoch zu einem gewissen Verlust der Übersichtlichkeit, da der Nutzer dadurch die Trefferliste aus den Augen verliert. Um wieder zurück zur Trefferliste zu gelangen, muss man im Browser zurückblättern. Abs. 17
An dieser Stelle bietet 'Westlaw' größeren Komfort, da es mit Frames arbeitet. Im schmaleren linken Frame wird eine Trefferliste angezeigt, durch welche sich der Nutzer einen Überblick verschaffen kann, ob der jeweilige Artikel interessant sein könnte oder nicht. Will man mehr über einen bestimmten Artikel erfahren, klickt man ihn in der Trefferliste an, wodurch sich im Frame rechts der Trefferliste eine Kurzbeschreibung des Artikels öffnet. Zur Orientierung bleibt die Trefferliste im linken Frame jedoch erhalten. Abs. 18
Positiv hinsichtlich 'Westlaw' bleibt zu erwähnen, dass es alle Ergebnisse absteigend nach Datum ordnet, wohingegen 'LexisNexis' seine Ergebnisse zunächst nach Zeitschriften ordnet und erst innerhalb dieser Kategorie nach Datum. Abs. 19

6) Fazit

Der persönliche Gesamtausdruck des Verfassers sieht das Produkt von 'LexisNexis' im leichten Vorteil. Abs. 20
Für 'LexisNexis' spricht, (a) dass es eine stets höhere Anzahl von Suchergebnissen aufzeigt, (b) dass es für mehr Artikel einen direkten Zugang zur Vollversion bereit hält und (c) dass es in absoluten Werten mehr relevante Artikel hervorbringt - trotz einer relativ hohen Anzahl irrelevanter Treffer. Abs. 21
Für 'Westlaw' hingegen spricht eine wesentlich niedrigere Quote an irrelevanten Artikeln und vor allem die wesentlich übersichtlichere Menüführung. Abs. 22
Trotz des Umstandes, dass 'LexisNexis' absolut gesehen mehr relevante Artikel hervorgebracht hat, sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben, dass auch 'Westlaw' Artikel aufgezeigen konnte, die von 'LexisNexis' entweder nicht gefunden bzw. nicht als Vollversion zugänglich gemacht wurden. Somit wäre ein erst-recht-Schluss von der 'LexisNexis'-Recherche auf die 'Westlaw'-Recherche ein klassischer Fehlschluss gewesen. Abs. 23
Der Verfasser konnte folglich durch die Nutzung beider Datenbanken von einem Ergänzungseffekt profitieren.
JurPC Web-Dok.
114/2007, Abs. 24

Fußnoten:

1 Westlaw United Kingdom.
2 LexisNexis Buttherworths.
3 Der Zeitraum der Recherche lag im April 2007.
4 Ersetzung des Wortes 'medicines' durch 'drugs'.
5 Agreement on Trade-related Aspects ofIntellectual Property Rights 1994.
* Thomas Walter Haug ist momentan Student des Master-Programmes 'International Business Law' an der University of Exeter in England. Zudem ist er Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
[ online seit: 07.08.2007 ]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.
Zitiervorschlag: Haug, Thomas Walter, Datenbankrecherche mit ‚Westlaw’ und ‚LexisNexis’ im Vergleich – Ein Erfahrungsbericht - JurPC-Web-Dok. 0114/2007


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