JurPC Web-Dok. 119/2005 - DOI 10.7328/jurpcb/20052010118

Wolfgang Kuntz *

Kurzrezension Matthias Kraft, "Juristische Online Datenbanken - Eine Einkaufshilfe"

JurPC Web-Dok. 119/2005, Abs. 1 - 13


Kuntz, Wolfgang
Dr. Matthias Kraft
Juristische Online Datenbanken - Eine Einkaufshilfe
1.Auflage 2005
Kraft-Verlag
ISBN: 3-9810225-0-5
JurPC Web-Dok.
119/2005, Abs. 1
Seit der Gründung der juris GmbH im Jahre 1985 sind juristische Fachinformationen nicht nur in der herkömmlichen Printversion verfügbar, sondern auch in elektronischer Form. Weitere Anbieter neben juris sind hinzugekommen, teilweise spezielle Online-Datenbankanbieter, teilweise Verlage, die auf Online-Angebote setzen. Das Preisniveau ist mittlerweile so, dass auch z.B. kleinere Kanzleien vor der Frage stehen, eine Online-Datenbank anzuschaffen. Aber für welches Angebot soll sich der Interessent entscheiden?Abs. 2
Das vorliegende Buch will auf 170 Seiten, wie der Untertitel bereits sagt, eine Einkaufshilfe sein. Der Leser soll dabei keine Empfehlung für dieses oder jenes Angebot erhalten, vielmehr soll er in die Lage versetzt werden, die Angebote zugeschnitten auf seine Einsatzzwecke umfassend testen zu können. Der Autor sagt im Vorwort, dass der eigene Test einer Datenbank für die Kaufentscheidung maßgeblich sein sollte. Das Buch stellt die führenden Angebote vor, gibt Hilfestellung für Tests, zeigt die wesentlichen zu testenden Funktionsmerkmale auf und gibt Hinweise für die Benutzung der Datenbanken.Abs. 3
Einführend stellt der Autor die Vor- und Nachteile von Onlinediensten gegenüber. Er macht deutlich, dass die Erwartungen an Onlinedienste je nach Benutzertyp unterschiedlich sind. Der Autor bildet hierzu zwei extreme Nutzertypen, die er den "konservativen Nutzer" und den "progressiven Nutzer" nennt. Bei der weiteren Darstellung der Inhalte und Funktionen der Angebote kommt der Autor im Folgenden immer wieder auf diese beiden Nutzergruppen zu sprechen. Nach einem Überblick über kostenlose und kostenpflichtige Online-Angebote nennt der Autor die fünf Onlinedienste, auf die seine Untersuchung focussiert: juris, Beck-Online, LEGIOS, LexisNexis und Westlaw. Abs. 4
Kraft stellt zunächst die Inhalte der Onlinedienste dar und vergleicht, welche Primär- und Sekundärmaterialien die Datenbanken bieten. Bei den sekundären Materialien spielen vor allem die angebotene Rechtsprechung sowie Zeitschriften und Kommentare eine Rolle. Danach kommt der Autor auf die Kosten der einzelnen Datenbanken zu sprechen, wobei er die grundsätzlichen Kostenmodelle aufführt und die Preise vergleicht. Abs. 5
Wer einen Onlinedienst abonnieren will, für den muss sich die Investition lohnen. Daher stellt der Autor im folgenden Kapitel Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit und zum Nutzen von Onlinediensten an und gibt Beispiele für Produkte und Preise, wobei Kraft einräumt, damit "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen. Daher lautet sein Zwischenfazit, dass der Kunde gegenüberstellen muss, was er von der Datenbank erwartet und letztlich selbst entscheiden muss, ob er Äpfel oder Birnen will. Die Preisbeispiele sind für den typischen Einzelanwalt und den Fachanwalt anhand der üblicherweise benötigten Materialien berechnet. Abs. 6
Das folgende umfangreiche Kapitel widmet sich der Frage des Tests der Onlinedienste. Der Autor geht davon aus, dass ein Test unerlässlich ist, um die Kaufentscheidung vorzubereiten. Wichtigstes Kriterium bei einem Test ist dabei die Such- oder besser "Finde"-Funktion, die sich durch Präzision einerseits und Vollständigkeit andererseits auszeichnen sollte. Nach einem Ausflug in die Mengenlehre kommt der Autor darauf zu sprechen, wonach und wo man suchen können sollte. Er stellt typische Suchen nach Rechtsprechung dar, kommt auf Verknüpfungen von Suchen zu sprechen und untersucht die Trefferlisten. Abschließend stellt eine Übersichtstabelle die Suchmöglichkeiten bei den fünf führenden Onlinediensten zusammen. Abs. 7
Das nächste Kapitel befasst sich mit der Frage, ob Informationen in den Datenbanken so gefunden werden können wie beim herkömmlichen Arbeiten mit Printmaterialien, kann beispielsweise eine Fundstelle nachgeschlagen werden, wie sind Buchzitate und Aktenzeichen von Entscheidungen eingearbeitet und kann über ein systematisches Verzeichnis oder Inhaltsverzeichnis der Zugang zu Informationen gefunden werden?Abs. 8
Danach untersucht der Autor die Zusatzfunktionen - was er als die "Kür" bezeichnet. Kraft behandelt die Features wie Dokumentenanzeige, Druckfunktion, Individualisierung (Notiz- und Lesezeichenfunktion) und Handbücher. Abs. 9
Ein weiterer Abschnitt widmet sich der eingesetzten Technik, insbesondere den verwendeten Datenbanktypen, der Zugangsgeschwindigkeit, den eingesetzten Cookies und Skripten. Abs. 10
Von Seite 119 bis Seite 165 folgt die Darstellung einer Untersuchung der einzelnen Onlinedienste, wobei auf der Grundlage eines speziellen Sachverhaltes eine Recherche bei allen fünf Diensten nach gleichem Aufbau durchgeführt wurde. Abs. 11
In seinem abschließenden Resümee fasst Kraft die Ergebnisse bezogen auf die beiden Gruppen "konservative" und "progressive" Nutzer zusammen und weist nochmals darauf hin, dass der Leser in dem Buch eine abschließende Wertung und damit eine Kaufempfehlung vergeblich suchen wird, da die Entscheidung bezogen auf die individuellen Bedürfnisse nicht abgenommen werden kann. Abs. 12
Das Buch ist gut und flüssig geschrieben, mit vielen Übersichtstabellen und Bildschirmausdrucken versehen und weist den Autor, Dr. Matthias Kraft, als Insider des Onlinedienste-Marktes aus. Wer sich als Rechtsanwalt mit dem Gedanken trägt, einen Onlinedienst für seine Kanzlei zu abonnieren, sollte vor der Entscheidung dieses Buch gelesen haben und anschließend - dem Rat des Autors folgend - einen gründlichen Test der Datenbanken durchgeführt haben.
JurPC Web-Dok.
119/2005, Abs. 13
* Ass. iur. Wolfgang Kuntz ist Mitarbeiter der Recht für Deutschland GmbH, Wiesbaden, und Redakteur der Internetzeitschrift für Rechtsinformatik und Informationsrecht JurPC.
[online seit: 17.10.2005]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

Top 10

Klassiker

JurPC App