JurPC Web-Dok. 106/2004 - DOI 10.7328/jurpcb/200419376

Werner Schweibenz *

Buchbesprechung - Borghoff/Rödig/Scheffcyzk/Schmitz (2003): Langzeitarchivierung

JurPC Web-Dok. 106/2004, Abs. 1 - 5


Autorenprofil
Borghoff, Uwe M./Rödig, Peter/Scheffcyzk, Jan/Schmitz, Lothar (2003):
Langzeitarchivierung.
Methoden zur Erhaltung digitaler Dokumente.
Heidelberg: dpunkt Verlag.
283 S.
ISBN 3-89864-245-3
Preis: 45,00 Euro
Die Langzeitarchivierung digitaler Dokumente ist ein Problemfeld, dessen man sich außerhalb von Fachkreisen noch viel zu wenig bewusst ist. Denn während sich einerseits ein immer schnellerer Wandel der Informationstechnik vollzieht, fehlen Erfahrungen über die Archivierbarkeit elektronischer Medien über lange Zeiträume. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass elektronische Rechenanlagen nur auf eine Geschichte von etwas mehr als 60 Jahren zurückblicken können. Deshalb ist dieses Buch von besonderer Aktualität. Die vier Autoren vom Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität der Bundeswehr in München versuchen, das organisatorische Umfeld und verschiedene technische Lösungsansätze der Langzeitarchivierung digitaler Dokumente allgemeinverständlich darzustellen. Als Zielgruppe geben sie Politiker, Juristen, Informatiker, Bibliothekare, Historiker, Studierende und Experten an. JurPC Web-Dok.
106/2004, Abs. 1
Das Buch gliedert sich in zwei Teile: im ersten Teil geben sechs Kapitel einen methodischen Überblick beginnend mit einer Einführung in die Problematik der Langzeitarchivierung digitaler Dokumente und der Haltbarkeit elektronischer Speichermedien. Dieser Teil ist gut verständlich und für ein breiteres Publikum nachvollziehbar geschrieben. Diese Einführung macht die Problematik der Langzeitarchivierung auch für Laien nachvollziehbar. Das Kapitel 2 befasst sich mit dem Open Archiv Information System Reference Model und vermittelt das komplexe Modell mit anschaulichen Abbildungen. Im Kapitel 3 wird die Migration als Erhaltungsstrategie recht anschaulich erläutert. Der periodische Transfer von digitalem Material von einer Hard- bzw. Softwarekonfiguration auf eine andere wird mit seinen Chancen und Risiken dargestellt. Das Kapitel 4 ist der Emulation als Erhaltungsstrategie bei digitalen Medien gewidmet. Unter Emulation versteht man, dass die Funktionsweise der Originalabspielumgebung eines veralteten Computers auf einem modernen Computers nachgebildet (emuliert) wird. Dieses Kapitel ist mit Informatik-Details durchsetzt (Programmiersprachen, Funktion von Compilern und virtuellen Maschinen, Erzeugung eines Emulators, etc.), die den Nicht-Informatiker überfordern (eine freundliche Fußnote weisen Nicht-Fachleute darauf hin, welchen Teil des Kapitels sie überspringen können). Im 5. Kapitel wird die Auszeichnung von Archivdokumenten mit Metadaten beschrieben und eine Klassifikation dieses Markups sowie die Verwendungsmöglichkeiten präsentiert. Dieses Kapitel ist gut verständlich geschrieben und gibt einen nachvollziehbaren Überblick über Methoden der Dokumentenbeschreibung. In Kapitel 6 werden verschiedene standardisierte Dokumentenbeschreibungssprachen vorgestellt (PDF, HTML, XML). Die Diskussion in Kapitel 7 fasst die Folgerungen aus den vorangegangenen Kapitel anschaulich zusammen und gibt einen umfassenden Überblick über offene Fragen und den Stand des Machbaren. Im letzten Abschnitt des Kapitels wird eine Empfehlung für die Kombination von verschiedenen Techniken der Langzeitarchivierung ausgesprochen. Abs. 2
Der zweite Teil des Buches stellt an Beispielen die Verwendung von Markup sowie Migration und Emulation in der Praxis vor. Im Kapitel 8 werden folgende Themen vorgestellt: die Anwendung des Dublin Core Metadata Element Sets und seine Anwendung in einem australischen Archivierungsprojekt, der Ansatz der Text Encoding Initiative, die Programme und Projekte der Research Library Group, sowie das Internet-Archivierungsprojekt Pandora. Das Kapitel gibt einen mit zahlreichen Beispielen versehenen Überblick über die Bedeutung des Markups in der Archivierungspraxis. Das Kapitel 9 schildert die Migration in der Praxis. Besprochen werden Themen wie das Auffrischen der Speichermedien, Formatfragen der digitalen Dokumente, Risikomanagement bei der Migration und Datenbankmigration. Das letzte Kapitel befasst sich mit der Emulation in der Praxis. Ausgehend von einem praktischen Emulationsexperiment im Rahmen eines europäischen Verbundprojektes werden kritische Aspekte der Emulation besprochen. Dieser Teil des Buches richtet sich an besonders Interessierte und an Praktiker, Nicht-Fachleute werden von den Details wohl eher überfordert. Abs. 3
Insgesamt zeichnet sich das Buch durch eine übersichtliche und leserfreundliche Gestaltung (hervorgehobene Erklärungen, Tabellen, Aufzählungen, etc.) aus. Zahlreiche Abbildungen und Beispiele veranschaulichen die im Text beschriebenen Sachverhalte. Jedes Kapitel wird in einer kurzen Einführung umrissen, Marginalien erleichtern die Orientierung und die Suche im Kapitel. Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Autoren um eine einfache und verständliche Sprache bemüht haben. Diese Aspekte machen die Lektüre des Buches angenehm. Abs. 4
Das Buch eignet sich für Studierende der Informatik und Rechtsinformatik sowie der Archiv-, Bibliotheks-, Informations- und Museumswissenschaft, die ihr Wissen über Langzeitarchivierung vertiefen wollen. Für Leser ohne Vorwissen und ohne Informatikvorkenntnisse, zum Beispiel die im Vorwort als Zielgruppe genannten Politiker und Juristen, ist das Buch keine leichte Kost. Denn die Autoren greifen häufig auf Erklärungen und Beispiele aus der Informatik zurück, die den Nicht-Informatikern nicht geläufig sind oder diese vom Vorwissen her überfordern. Nichtsdestoweniger eignen sich verschiedene Kapitel des Buches auch für Leser ohne einschlägige Vorkenntnisse als Einstieg in die komplexe Materie, wenn sie bereit sind, allzu technische Teile einfach auszulassen. Dann erhalten sie einen guten Überblick über die komplexen Probleme der Langzeitarchivierung.
JurPC Web-Dok.
106/2004, Abs. 5
* Werner Schweibenz ist Doktorand an der Fachrichtung Informationswissenschaft der Universität des Saarlandes.
[online seit: 15.03.2004]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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