JurPC Web-Dok. 177/2003 - DOI 10.7328/jurpcb/2003186170

Michael Stefan *

Kurzrezension: E-Banking Entwicklungsstand und betriebswirtschaftliche Problemfelder

JurPC Web-Dok. 177/2003, Abs. 1 - 5


Autorenprofil
E-Banking - Entwicklungsstand und betriebswirtschaftliche Problemfelder
Autor: Holger G. Köckritz
Hrsg: Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.
2001,
132 Seiten
ISBN 3-09-305686-1
Sparkassenheft 231
Deutscher Sparkassen Verlag Stuttgart
Aufgrund zahlreicher euphorischer Studien, auch von namhaften Marktforschungsinstituten, Beratungsgesellschaften sowie unabhängigen Analysten, hinsichtlich der Wachstumsaussichten im Bereich Electronic Banking, Mobile Banking und elektronischer Zahlungsverkehr, haben die deutschen Banken und Sparkassen Unsummen in die Entwicklung der dafür benötigten IT-Infrastruktur und die begleitenden Marketingmaßnahmen investiert. Inwieweit sich diese Kosten bis heute jedoch amortisiert haben oder sich noch rechnen werden, bleibt äußerst fraglich. Auch die Fragen, ob die Investitionen zu einem merklichen und langfristigen Image-Gewinn geführt haben, wie viel Kunden effektiv langfristig aufgrund der E-Banking Strategie gewonnen werden konnten und inwieweit die Investitionen tatsächlich zu den erwartenden Einsparungen führten, bleiben öffentlich zumeist ungeklärt.JurPC Web-Dok.
177/2003, Abs. 1
Als Beispiele zahlreicher gescheiterter Projekte sollen stellvertretend nur einige genannt werden: Ab April 2001 führt die Credit Suisse ihre pan-europäische Online-Brokerage-Plattform www.credit-suisse.net aus Kostengründen nicht weiter; im Mai 2001 stellt die Deutsche Bank das Internet-Zahlungssystem eCash wegen fehlender Marktakzeptanz ein; im Februar 2002 geben die MobilCom AG und die LBBW faktisch das gemeinsame Projekt MobilBank auf; im März 2002 schließt die comdirect bank ihren italienischen Ableger aus Kostengründen; im August 2002 gibt die Santander Direkt Bank ihr Online-Brokerage-Geschäft aufgrund nicht erfüllter Erwartungen auf; im Februar 2003 verkauft die Deutsche Bank ihre Anteile an paybox mit dem Ergebnis, dass der mobile Zahlungsverkehr eingestellt wird(1).Abs. 2
Dipl. Oec. Holger G. Köckritz ist an der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim tätig und beschreibt in seinem Buch Grundlagen, Dimensionen sowie strategische Optionen einer E-Banking-Konzeption. Im Anschluss wendet er sich im Rahmen von ausgewählten Einzelaspekten noch kurz den rechtlichen Gesichtspunkten einer E-Banking-Konzeption zu. Die Stellungnahmen in diesem Kapitel offenbaren, dass ohne eine Einbindung von Juristen mit ausgeprägten IT-Kenntnissen in den Entscheidungsprozeß umfangreiche Haftungsprobleme auf die Finanzdienstleister bzw. Banken und Sparkassen zukommen können. In seinem Ausblick geht der Autor mit seiner Feststellung, die E-Banking-Strategie der einzelnen Institute werde zum entscheidenden strategischen Erfolgsfaktor, zu weit und lässt dabei offen inwieweit beratungsintensive Bankdienstleistungen durch Expertensysteme oder virtuelle Berater im Rahmen zukünftiger Erweiterungen des E-Banking mit einem kalkulierbaren Haftungsrisiko der Kreditinstitute zu realisieren sind.Abs. 3
Die Lektüre des Sparkassenheftes E-Banking ist juristischen Entscheidungsträgern in Vorständen und Rechtsabteilungen der Kreditinstitute wärmstens zu empfehlen, insbesondere um sich einen Überblick zu der Argumentationsgrundlage von Wirtschaftswissenschaftlern und Marketingexperten anzueignen. Zum einen führt der Autor verständlich in die relevanten englischen Fachtermini ein. Zum anderen besteht der Reiz in der Lektüre einer an sich veralteten Informationsquelle darin, das kritische Bewusstsein, welches durch den Abgleich der im Jahr 2001 in Aussicht gestellten Entwicklungen mit der eingetretenen Realität gebildet wird, bei zukünftigen Entscheidungen zu nutzen.Abs. 4
Die Gründe, die auf Seiten der Kunden und Verbraucher zu einem Scheitern von Projekten im Bereich E-Banking führten, werden auch bei zukünftigen Konzepten zu beachten sein.
JurPC Web-Dok.
177/2003, Abs. 5

Fußnote:

(1) http://www.cyberbanking-law.de
* Der Verfasser ist Bankkaufmann und Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes bei Prof. Dr. Maximilian Herberger (http://rechtsinformatik.jura.uni-sb.de). Seit 1999 ist er Mitglied des Editorial Board des universitären Projektes Cyberbanking & Law (http://www.cyberbanking-law.de). Daneben arbeitet er bei JusData (http://www.jusdata.info) und beim juris PK (http://www.jurispk.de) mit.
[online seit: 23.06.2003]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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