JurPC Web-Dok. 193/2002 - DOI 10.7328/jurpcb/2002176127

Jennifer Heuer *

Begegnungen mit "Westlaw"

JurPC Web-Dok. 193/2002, Abs. 1 - 5


Autorenprofil

Generelle Einführung

Seit einigen Wochen verfügt die Universität des Saarlandes in Saarbrücken über die Möglichkeit, Interessierten in einem separaten Computerraum eine Recherche durch die Suchmaschine "Westlaw" anbieten zu können. Bei den Arbeiten zu meiner Magisterarbeit, die ich derzeitig in Saarbrücken als LLM Studentin verfasse, versuchte ich, den Service von "Westlaw" zu nutzen, um Material und Informationen für den rechtsvergleichenden Teil meiner Arbeit zu erhalten. Ich bin zur Zeit für den Magisterstudiengang im Recht für im Ausland graduierte Juristen eingeschrieben, den ich im Rahmen eines Austausches mit der University of Exeter in Südengland absolviere. Der wichtigste Bestandteil des LLM-Studienganges ist die Magisterarbeit, die ich über "Das Widerrufsrecht im deutschen Verbraucherschutz" verfasse. Als Teil dieser Magisterarbeit arbeite ich auch die Unterschiede zwischen dem englischen Recht und dem deutschen Recht hinsichtlich meines Themas heraus. Um für den englischen Teil Material zu finden, habe ich sowohl bei "Westlaw UK" als auch über die englischen Datenbanken von "Westlaw International" mehrere Suchen nach Rechtsprechung, Gesetzestexten und Aufsätzen gestartet. "Westlaw UK" ist ein Ableger von "Westlaw. Com" und bietet seinen Kunden die Gelegenheit, sich online über neueste Rechtsentwicklungen informieren zu können. "Westlaw.com" ist eine der meist genutzten juristischen Suchmaschinen im englischsprachigen Raum, die allein in den USA über eine Millionen Kunden hat (http://www.westlaw.com/about/#). Man kann hier nach der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Aufsätzen zum Recht der einzelnen Staaten in den USA je nach Gerichtsbarkeit suchen (http://www.westgroup.com/store/completelistJurisdictions.asp) oder auch nach den verschiedenen Rechtsgebieten (http://www.westgroup.com/store/completelistTopics.asp).JurPC Web-Dok.
193/2002, Abs. 1
Als Studentin an der Universität des Saarlandes habe ich glücklicherweise die Möglichkeit, den Service von "Westlaw" kostenlos zu nutzen, andere Kunden könne nach einer kostenlosen Probezeit einen Plan zusammenstellen lassen, wie sie "Westlaw" am kostengünstigsten für sich nutzen können. Der britisch-englische Ableger ist mit einer eigenen Seite im Internet vertreten und soll hier gesondert vorgestellt werden. Auf der allgemeinen Informationsseite (http://www.westlaw.co.uk) wird zunächst ein Überblick über die zur Verfügung stehenden Rechtsgebiete gegeben (http://www.westlaw.co.uk/practice.htm). Gleichzeitig findet der Kunde unter dem Begriff "user guides" (http://www.westlaw.co.uk/userguides.htm) Erklärungen dazu, wie er in den einzelnen Rechtsgebieten am einfachsten nach der von ihm benötigten Information sucht. "Westlaw UK" bietet Informationen zu folgenden sieben britischen Rechtsgebieten: Zivilprozessrecht, Unternehmensrecht, Strafrecht, Menschenrecht, geistiges Eigentum, Miet- und Landrecht und schottischem Recht. In allem Gebieten findet man das Richterrecht (case law), dass mehrmals täglich auf den neuesten Stand gebracht wird, so dass man sich über "Westlaw UK" schneller informieren kann, als durch Bücher oder Zeitschriften. Zusätzlich bietet "Westlaw UK" eine Reihe von Zeitschriften und kommentarähnlichen Werken an, wie beispielsweise das "White Book" für Zivilprozessrecht und den "Archbold" für Strafrecht. Über "Westlaw UK" kann man sich weiterhin EU-Richtlinien, Entscheidungen und sonstige Materialien downloaden. Ich musste bei meiner Recherche feststellen, dass andere Kunden sich nicht auf der Webpage über die für sie entstehenden Kosten erkundigen können. Allerdings können sie online ihr Interesse an "Westlaw UK" bekunden, wodurch sie den Service kostenlos testen können und Materialien zu den weiterhin entstehenden Kosten erhalten (http://www.sweetandmaxwell.co.uk/westlaw/register.cfm). Wenn man sich auf der Startseite von "Westlaw" umsieht, hat man verschiedene Möglichkeiten, nach Informationen zu suchen. Zunächst kann man über das Ikon "Westlaw International" eine Suche starten, und erhält eine Suchmaske, in der man Stichworte eingeben kann, mit denen man dann eine der zur Verfügung stehenden Datenbanken durchsuchen kann. Hier findet man unter anderem Datenbanken zum kanadischen, US-amerikanischem, europäischen und englischen Recht sowie eine Datenbank, die das Recht aus Hongkong beinhaltet. Man muss mindestens eine Datenbank auswählen, die durchsucht werden soll, kann sich aber auch für mehrere Datenbanken entscheiden. Weiterhin hat man die Möglichkeit direkt über "Westlaw UK" eine Suche zu starten und erhält eine Suchmaske, über die man entweder nach Rechtsprechung, Gesetzgebung oder Aufsätzen suchen kann. Ich habe bei meiner Suche nach Material beide Möglichkeiten getestet, habe diese allerdings auf englisches Material beschränkt.Abs. 2

Recherche mit Westlaw International

Zunächst musste ich die Umsetzungen der relevanten EU-Richtlinien ins englische Recht finden, was sich als relativ einfach erwies. In der Suchmaske konnte ich einfach Stichworte eingeben, wie beispielsweise "Distance Selling" eingeben und dann die Datenbank zum englischen Recht durchsuchen, wodurch ich auf die Consumer Protection (Distance Selling) Regulations 2000 traf, durch die die Fernabsatzrichtlinie 97/7 EG im englischen Recht implementiert wurde. Problematisch ist allerdings, dass man das Dokument nicht als zusammenhängenden Text erhält, sondern pro Vorschrift ein Dokument öffnen muss. Schwieriger gestaltete sich allerdings die Suche nach Präzedenzfällen in der Datenbank für englische Rechtsprechung. Ich war auf der Suche nach dem Fall von "Bulmer v Bollinger", in dem Lord Denning eine vielzitierte Definition der Aufgabe eines englischen Richters und der daraus folgenden Richtlinienumsetzung beschreibt. Da mir das Jahr der Entscheidung entfallen war, suchte ich unter dem Namen und war erstaunt, als ich ca. 200 Ergebnisse bekam: Mir wurden alle Fälle angezeigt, in denen "Bulmer v Bollinger" zitiert wurde. Nach langem Suchen fand ich schließlich die eigentliche Entscheidung, allerdings war dies ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Um die englische Rechtsprechungsdatenbank von "Westlaw International" effektiv zu nutzen, sollte man daher nicht nur den Namen, sondern auch das Jahr der Entscheidung kennen. Hilfreich könnte allerdings die Stichwortsuche in der Rechtsprechungsdatenbank sein, mit der man zu bestimmten Stichworten nach Entscheidungen suchen kann, in denen diese Stichworte vorkommen. Als nochmals komplizierter stellte sich die Stichwortsuche nach Aufsätzen in der englischen Zeitschriftendatenbank heraus. Zu meinem Bedauern gab es nur eine geringe Anzahl von Zeitschriften, die beim Studium des englischen Recht unverzichtbar sind, online auf der "Westlaw International" - Datenbank. Ich erhielt keine Liste von Aufsätzen, die kurz zusammengefasst dargestellt wurden, als Ergebnis, wie es beispielsweise bei der juris-Recherche der Fall ist, sondern jeweils den ganzen Aufsatz online, was natürlich eine große Zeitersparnis bedeutet und besonders in für Studenten, die nicht in England studieren, aber englische Aufsätze benötigen, von großem Vorteil ist, da die Auswahl an Zeitschriften in der Bibliothek eher begrenzt ist. Allerdings musste ich feststellen, dass die meisten Aufsätze, die mir als Ergebnisse präsentiert wurden, sehr auf das Internet bezogen sind. Auch war die Auswahl von Aufsätzen unüberschaubar groß. So erhielt ich, als ich "consumer & protection & cancellation" eingab, 446 Dokumente, von denen sich letztlich zehn als brauchbar erwiesen. Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass eine Suche über "Westlaw International" für den englischen Juristen nur eingeschränkt nutzerfreundlich ist. Wenn man bestimmte Gesetze oder Entscheidungen, die man genau datieren kann, sucht, ist es sicherlich zeitsparender, sie über "Westlaw International" als in einer Bibliothek zu suchen. Allerdings ist dieser Bereich von "Westlaw International" für die Suche nach britischen Aufsätzen und Besprechungen eher von geringem Nutzen, da man mit Informationen überhäuft wird, die nicht unbedingt von hoher Relevanz sind. Empfehlenswert ist "Westlaw International" daher für eine sehr zielgerichtete Suche, wie sie wahrscheinlich von praktizierenden Juristen unternommen würde.Abs. 3

Recherche mit "Westlaw UK"

Die Recherche mit "Westlaw UK" wurde meinen persönlichen Anforderungen gerechter. Hier hat der Kunde ebenfalls verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann er nach Rechtsprechung suchen und zwar sowohl mit dem Namen der jeweiligen Entscheidung als auch mit Stichworten oder mit ihrer Zitierung. Bei der Suche mit Stichworten hat man die Möglichkeit, Präzendenzfälle zu bestimmten Themenbereichen zu finden. Ich habe mich wiederum auf die Suche nach "Bulmer v Bollinger" begeben und wurde diesmal auf Anhieb fündig. Auch die Suche nach englischer Gesetzgebung war erfolgreich, allerdings mit der gleichen Einschränkung wie bei der Suche in den englischen Datenbanken von "Westlaw International": Auch hier wurde mir pro Vorschrift ein Dokument angegeben, was natürlich unproblematisch ist, wenn man eine bestimmte Vorschrift aus einem Gesetz sucht, sich jedoch als zeitaufwendig herausstellen kann, wenn man den gesamten Gesetzestext braucht. Meine Suche nach Artikeln war ebenfalls mit mehr Erfolg gekrönt. In der Suchmaske für juristische Zeitschriften gab ich, wie zuvor die Suchbegriffe "consumer & protection & cancellation" ein und erhielt eine Übersicht von 56 Aufsätzen, von denen einige sehr aktuell waren, wie z.B. eine englische Anmerkung zum Urteil des EuGH in Sachen Heininger/Bayerische Hypo- und Vereinsbank vom 13.12.2001, einer Entscheidung, die zumindest in Deutschland Furore gemacht hat und von hoher Bedeutung für meine Magisterarbeit ist. Allerdings konnte man hier nicht den Gesamttext der Aufsätze abrufen, sondern lediglich eine Zusammenfassung und muss dann den gesamten Artikel in einer Bibliothek suchen. Man bekommt allerdings einen recht guten Überblick darüber, was an neuesten (und auch älteren) Aufsätzen zu einem Thema verfügbar ist.Abs. 4

Zusammenfassung

Insgesamt lässt sich eine Suche mit "Westlaw" für den Juristen, der sich für anglo-amerikanisches und damit verbundenes Recht interessiert, sehr empfehlen. "Westlaw" ist zum einen deshalb attraktiv und nutzerfreundlich, weil es eine einzige Suchmaschine ist, über die man sowohl europäische als auch nationale Gesetzgebung sowie Rechtsprechung und teilweise auch Besprechungen erhalten kann, wozu man sonst mehrere Suchmaschinen der verschiedenen Gesetzgeber bemühen müsste. Zum anderen ist "Westlaw" sehr aktuell und das Angebot wird häufig überarbeitet, so dass man sicher sein kann, auf dem neuesten Stand der Rechtsentwicklungen zu sein. Allerdings ist es empfehlenswert für die Suche nach britischem Recht nicht über die britischen Datenbanken von "Westlaw International" zu suchen, sondern direkt über "Westlaw UK", dessen Ergebnisse für den englischen Juristen wesentlich hilfreicher sind.
JurPC Web-Dok.
193/2002, Abs. 5
* Jennifer Heuer ist derzeit LLM Studentin bei Prof. Dr. Dr. M. Martinek an der Universität des Saarlandes. Sie hat an der University of Exeter studiert und ist zur Zeit im Rahmen eines Austausches in Saarbrücken. Sie wird im Juli ihr Studium mit einem LLB im englischen Recht und einem Magister in Rechtswissenschaften für im Ausland graduierte Juristen abschliessen.
[online seit: 24.06.2002]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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