JurPC Web-Dok. 164/2001 - DOI 10.7328/jurpcb/2001169164

Markus Junker *

Rezension: Telearbeit - Leitfaden für flexibles Arbeiten in der Praxis

JurPC Web-Dok. 164/2001, Abs. 1 - 9


Autorenprofil
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.)
Telearbeit - Leitfaden für flexibles Arbeiten in der Praxis
180 Seiten; DIN A4; Stand: Februar 2001
Kostenlos erhältlich bei den herausgebenden Ministerien (Best.-Nr.: A 199)
Download: http://www.bma.bund.de/download/broschueren/a199.pdf (pdf-Format, 1,5 MB)
Telearbeit gewinnt im Zuge der steigenden Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Schätzungen zufolge besteht in der Bundesrepublik Deutschland ein Potential für Telearbeit von ca. 2,5 Millionen Arbeitsplätzen. Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben daher im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung gemeinsam einen Leitfaden herausgegeben, der knapp und praxisorientiert die verschiedenen Aspekte der Telearbeit darstellt. Er richtet sich vorwiegend an kleine und mittlere Unternehmen, berücksichtigt aber auch Aspekte der öffentlichen Verwaltung. JurPC Web-Dok.
164/2001, Abs. 1
Der Leitfaden läßt sich dank der sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Orientierungshilfen (Hervorhebungen, Farben, Symbole) gut lesen und auch als Nachschlagewerk verwenden. Er enthält zahlreiche Praxisbeispiele, Checklisten und Grafiken sowie einen umfangreichen Anhang mit Gesetzestexten, Glossar und weiterführenden Literaturhinweisen sowie Internet-Links. Abs. 2
Zu Beginn erläutern die Verfasser Begriff und Formen von Telearbeit. Telearbeit wird in dem Leitfaden verstanden als jede auf Informations- und Kommunikationstechnik gestützte Tätigkeit, die ausschließlich oder zeitweise an einem außerhalb der zentralen Betriebsstätte liegenden Arbeitsplatz verrichtet wird, wobei dieser Arbeitsplatz mit der zentralen Betriebsstätte durch elektronische Kommunikationsmittel verbunden ist. Eine wichtige Form der Telearbeit ist die heimbasierte Telearbeit, die zu Hause erbracht wird, wobei zwischen ausschließlich zu Hause erbrachter und der in der Praxis vorherrschenden alternierenden Telearbeit (etwa in der Form des Desk-Sharing) unterschieden wird. Als weitere Formen der Telearbeit werden die mobile Telearbeit, On-Site-Telearbeit und centerbasierte Telearbeit vorgestellt. Abs. 3
Im Anschluß an die Klärung dieser Begriffe gehen die Verfasser auf organisatorische und personelle Aspekte von Telearbeit ein und beleuchten Vorteile und Risiken. Nicht jeder Mitarbeiter und nicht jede Tätigkeit ist beispielsweise für diese Form der Arbeit geeignet. Auch ihre Einführung bedarf einer gründlichen Planung. Der Leitfaden gibt in diesem Zusammenhang auch Hinweise zur Wirtschaftlichkeit von Telearbeit und zu Fördermöglichkeiten. Abs. 4
Ein weiteres Kapitel ist den technischen Voraussetzungen der Telearbeit gewidmet. Ein Telearbeitsplatz besteht im wesentlichen aus drei technischen Komponenten, nämlich der erforderlichen Hardware und Software sowie der Netztechnologie. An dieser Stelle hält der Leitfaden in kompakter und verständlicher Form Hilfestellungen und Checklisten bereit, nicht zuletzt auch zu den immer wichtigeren Aspekten der IT-Sicherheit. Abs. 5
Das letzte Kapitel behandelt auf ca. 40 Seiten die rechtlichen Fragen, welche die Einführung und Gestaltung von Telearbeit aufwerfen. Zunächst erläutern die Verfasser die in Betracht kommenden Beschäftigungsformen: Zwischen Arbeitnehmern in klassischen Arbeitsverhältnissen und der Selbständigkeit stehen dabei die arbeitnehmerähnlichen Personen, die zwar nicht persönlich, aber wirtschaftlich abhängig sind; ein Sonderfall innerhalb dieser Gruppe sind die Heimarbeiter, die durch das Heimarbeitsgesetz in besonderer Weise geschützt sind. Nicht unberücksichtigt bleiben darf dabei mit der Scheinselbständigkeit die sozialrechtliche Problematik. Zu diesem Thema wird ergänzend auf eine weitere Broschüre des Bundesarbeitsministeriums verwiesen (Best.-Nr. A 217). Abs. 6
Im folgenden gehen die Verfasser auf wichtige arbeits- und arbeitsschutzrechtliche Probleme der Telearbeit ein. Bereits bei klassischen arbeitsrechtlichen Fragen wie der Festlegung der Arbeitsaufgaben (Nachweisgesetz), der Verteilung und Lage der Arbeitszeit (Arbeitszeitgesetz und Mitbestimmung) sowie bei den Vergütungsregelungen (Zuschläge für Überstunden) ist Vorsicht geboten. Konfliktstoff bergen die Arbeitsmittel: Wer stellt sie zur Verfügung? Dürfen sie auch privat genutzt werden? Welche Kosten muß der Arbeitgeber tragen? Wer haftet im Schadensfall? Außerdem stellt sich - gerade in der "New Economy" - die Frage nach einer Beteiligung von Arbeitnehmervertretungen und nach der Rolle der Gewerkschaften. In arbeitsschutzrechtlicher Hinsicht kommt nicht nur der im Anhang des Leitfadens abgedruckten Bildschirmarbeitsplatzverordnung Bedeutung zu. Zum Abschluß untersuchen die Verfasser außerdem verschiedene Aspekte der Telearbeit aus steuerrechtlicher Sicht. Abs. 7
Hilfreich sind die durchgehenden konkreten Ratschläge für die Praxis. Ergänzt werden sie durch eine "Musterbetriebsvereinbarung zur Telearbeit" von IBM und einen "Muster-Arbeitsvertrag für Arbeitnehmer an einem alternierenden Telearbeitsplatz", der im Rahmen von MIRTI (Models of Industrial Relations in Telework Innovation) entwickelt wurde, einem Projekt im Rahmen des Telematik-Programms der Europäischen Kommission. Abs. 8
Der Leitfaden kann jedem empfohlen werden, der sich einen aktuellen Überblick über Telearbeit einschließlich der Rechtsfragen verschaffen möchte. Wer über diese Einstiegslektüre hinaus an dem Thema interessiert ist, findet in dem kommentierten Literaturverzeichnis im Anhang weiterführende Hinweise und sollte auf die arbeitsrechtliche Fachliteratur zurückgreifen. Der Leitfaden ist kostenfrei bei den herausgebenden Ministerien erhältlich. Auf der Web-Site des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (URL: http://www.bma.bund.de/) besteht die Möglichkeit, ihn online zu bestellen (Best.-Nr. A 199) oder direkt herunterzuladen (URL: http://www.bma.bund.de/download/broschueren/a199.pdf (pdf-Format, 1,5 MB)). Er ist zudem als pdf-Datei auf CD-ROM erhältlich. In derselben Rubrik der Web-Site kann des weiteren eine ebenfalls kostenlose Broschüre zu der Bildschirmarbeitsverordnung heruntergeladen werden. Gegen ein geringes Entgelt können hier zudem drei Forschungsberichte bestellt werden, unter anderem ein Gutachten zu den arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen der Telearbeit.
JurPC Web-Dok.
164/2001, Abs. 9
* Der Verfasser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes bei Prof. Dr. Maximilian Herberger (URL: http://rechtsinformatik.jura.uni-sb.de/). - Zu Fragen der Telearbeit in JurPC vgl. bereits Roman G. Weber, Neue Gefährdungspotentiale bei der Telearbeit, JurPC Web-Dok. 65/1999 (URL: http://www.jurpc.de/aufsatz/19990065) sowie Oliver Christian Beyer, Kurzrezension: Deges, Frank (Hrsg.); Einsatz interaktiver Medien im Unternehmen - Telearbeit, Business TV, Call Center, Electronic Commerce, JurPC Web-Dok. 171/1999 (URL: http://www.jurpc.de/aufsatz/19990171).
[online seit: 10.09.2001]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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