JurPC Web-Dok. 95/2000 - DOI 10.7328/jurpcb/200015690

Axel von Campenhausen *

Gestaltung regionaler Informationssysteme
Thema: Verwaltung und Internet
1. Phase: Entscheidung zur Repräsentation im Internet

JurPC Web-Dok. 95/2000, Abs. 1 - 10


Der Aufsatz ist Manuskript eines Vortrags, der im Wintersemester 1999/2000 im Rahmen einer projektbezogenen Arbeitsgemeinschaft bei Prof. Dr. Heinrich Reinermann an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften gehalten wurde. JurPC veröffentlicht insgesamt fünf Beiträge aus dieser Arbeitsgemeinschaft, in denen die verschiedenen Phasen der Realisierung eines Webauftritts einer Behörde dargestellt werden. JurPC Web-Dok.
95/2000, Abs. 1
Bei der Betrachtung, wie es zur Entscheidungsfindung gekommen ist, ob man sich als Behörde überhaupt im Internet darstellt, muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass man den Kenntnisstand berücksichtigen muss, der vor einigen Jahren (wohl 3-5 Jahre) herrschte. Abs. 2
Die Gruppe, die zu dem Entschluss gekommen ist, dass es auch für die eigene Behörde bzw. Verwaltung zweckmäßig ist, ins Internet zu gehen, musste dafür in den zuständigen Gremien eine Mehrheit finden. Als zuständige Gremien fungierten, je nach dem welche Verwaltung diesen Weg beschritt, beispielsweise der Landtag oder der Stadtrat. Abs. 3
Bei der Mehrheitsfindung stießen die Initiatoren auf drei verschiedene Personengruppen. Dies waren diejenigen, die sich schon längere Zeit mit dem Internet beschäftigt haben und die Vorteile schon erkannt haben. Diese Gruppe musste von der Idee nicht überzeugt werden, bei ihr rannte man damit offene Türen ein. Die zweite Gruppe wird von denjenigen repräsentiert, die sich selbst schon etwas mit dem Internet beschäftigt haben, ohne sich gut damit auszukennen. In der dritten Gruppe sitzen diejenigen, die noch nie selbst im Internet waren und Informationen darüber bestenfalls aus den Medien haben. Abs. 4
Während bei der ersten Gruppe in aller Regel keine Überzeugungsarbeit notwendig war, mussten die Vertreter der beiden anderen Gruppen doch von der Notwendigkeit des Internetauftritts überzeugt werden. Dabei galt es verschiedene Bedenken zu beseitigen. Abs. 5
Innerhalb der Gruppe, die sich schon etwas mit dem Internet beschäftigt hat, tauchten dann Fragen nach der Datensicherheit oder nach der Finanzierbarkeit auf. Zum Problem der Datensicherheit muss auch den Befürwortern bewusst sein, dass der Anschluss an das Internet mit Gefahren für die Datensicherheit oder den Datenschutz verbunden ist. Dies ergibt sich zum Großteil daraus, dass das Internet nicht unter Sicherheitsaspekten entwickelt wurde. Ziel war es ein Wissenschaftsnetz zu schaffen, das den freien und schnellen Austausch von Informationen gewährleistet. Diesen berechtigten Sicherheitsbedenken konnte nur mit der Darstellung der möglichen Absicherungen wie beispielsweise Firewalls oder ähnlichem entgegnet werden. Auch musste erklärt werden, dass man besonders sicherheitsrelevante Daten nichts ins Netz stellen kann. Abs. 6
Häufig ebenso drängend wie das Problem der Datensicherheit, war aufgrund der überall existierenden leeren Kassen die Frage der Finanzierbarkeit. Zumal das weitere Problem bestand, dass vor einigen Jahren sowohl die Zahl der Gemeinden bzw. Kommunen im Web als auch die der privaten Nutzer noch relativ gering war und daher Bedenken bestanden, dass die eventuell zu treffenden Investitionen ins Leere laufen. Dem letzten Punkt konnte mit einem Hinweis auf die Statistik begegnet werden, die einen raschen Anstieg der Anbieter und Nutzer des Internets zeigt, und auch die Prognosen einen noch rascheren Anstieg voraussehen. Der Angst vor übermäßigen Kosten konnte entgegengehalten werden, dass mit einer guten Präsentation im Internet die Region für sich selber Werbung macht. Außerdem besteht die Möglichkeit, ortsansässigen Firmen eine Möglichkeit zu bieten, sich ebenfalls zu repräsentieren und dafür einen Teil der Kosten zu übernehmen oder sogar direkt Gebühren zu zahlen. Abs. 7
Ein weiteres Problem, das innerhalb dieser Gruppe auftauchte, war die Frage nach der Notwendigkeit und dem entstehenden Arbeitsaufwand. So wurde als mögliche Gefahr angesehen, dass in euphorischer, wenn auch lobenswerter Absicht, einfach in den Netzen "drauf los gesurft" wird. Aufgrund des teilweise unübersichtlichen Angebots hätte dies zur Folge, dass zwar die Telefonkosten steigen, aber die Produktivität, wegen der bei ergebnisloser oder ungeplanter Suche im Netz vertanen Zeit, sinkt. Diese Bedenken konnten damit aus dem Weg geräumt werden, dass man entsprechende Kurse anbietet und selber nur die Sachen ins Netz stellt, die für die eigenen Zwecke von Bedeutung sind. Abs. 8
Schwieriger war es, die Gruppe zu überzeugen, die bisher mit dem Internet noch nicht in Berührung gekommen ist und die Informationen hierüber auch nur aus den Medien bezogen hat. So kannten viele das Internet nur im Zusammenhang mit Kinderpornographie oder Rechtsradikalismus. Auch sprach man im Bezug auf das Internet von einem rechtsfreien Raum. Es bestand in dieser Gruppe somit überwiegend eine negative Stimmung gegenüber diesem neuen Medium. Dies wird auch in einer Aussage von Eberhard Diepgen deutlich: "Gerade für die (noch) Unkundigen verbinden sich mit dieser Entwicklung jedoch neben Faszination vielfach auch Skepsis und Bedrohliches.... Steht am Ende wirklich der mündige Bürger, der sich gezielt mit hochwertigen Informationen versorgt, oder die Manipulation durch politische Extremisten, sexuelle Verführer oder kriminelle Geschäftemacher?" Man musste diesen Bedenkenträgern zugestehen, dass das Internet solche Gefahren in sich birgt. Jedoch sind auch andere Komrnunikationsmedien nicht frei von Gefahren. So dürfen schlichte Horrorszenarien nicht den Weg in die Zukunft versperren. Allerdings muss man sich auch der Tatsache bewusst sein, dass weder Mythenbildung noch Idealisierung der verschiedenen Medien die richtige Angehensweise sind. Denn der größte Teil der Traumgebilde der Medienzukunft zielen an der zukünftigen Wirklichkeit vorbei. Dies war auch in früheren Jahren der Fall. So glaubte, mit Ausnahme der Erfinder und Hersteller, wohl kaum jemand an den Siegeszug des PC. Damals dachte man eher an immer größere und leistungsfähigere Zentralrechner, denen heutzutage ein Dinosaurierschicksal bevorsteht(1). Den zum Teil berechtigten, zum Teil überzogenen Bedenken dieser Gruppe konnte nur damit begegnet werden, dass man versucht hat, die zu erwartenden Vorteile, die der Einstieg ins Netz mit sich bringt, stärker hervorzuheben. Abs. 9
Allen Bedenkenträgern hätte man wohl folgendes Zitat vorhalten können: "Man kann es nicht hören, nicht riechen und nicht fühlen. Doch es ist da und entwickelt sich prächtig, obwohl Kritik an der Geschwindigkeit des Netzes und Sicherheitsbedenken - insbesondere für den Austausch personenbezogener Daten - bestehen. Das Internet wächst und wächst und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, da Information zum vierten Produktionsfaktor, neben Arbeit, Boden und Kapital geworden ist."(2)
JurPC Web-Dok.
95/2000, Abs. 10

Fußnoten:

(1) Bussfeld, in: Stoppa-Sehlbach, Multimediale Stadt Gelsenkirchen 1993, S. 48
(2) Bullerdiek/Greve, Öffentliche Verwaltung im Internet, München 1997, S. 151
* Axel von Campenhausen ist Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz und absolviert z.Zt. sein zweites juristisches Staatsexamen.
[online seit: 13.06.2000]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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