JurPC Web-Dok. 171/1999 - DOI 10.7328/jurpcb/19991410170

Oliver Christian Beyer *

Kurzrezension: Deges, Frank (Hrsg.); Einsatz interaktiver Medien im Unternehmen – Telearbeit, Business TV, Call Center, Electronic Commerce

JurPC Web-Dok. 171/1999, Abs. 1 - 17


Deges, Frank (Hrsg.),
Einsatz interaktiver Medien im Unternehmen – Telearbeit, Business TV, Call Center, Electronic Commerce
Stuttgart, Schäffer-Pöschel Verlag für Wirtschaft, Recht, Steuern GmbH & Co KG,
1999

Gliederung

1. Einleitung
2. Zu den einzelnen Abschnitten

2.1 Erster Abschnitt: Neue Anwendungen und Informationstechnologien – Chancen und Risiken
2.2 Zweiter Abschnitt: Einsatz neuer Technologien in kritischen Unternehmensfunktionen
2.3 Dritter Abschnitt: Transformation bestehender Branchen durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien


3. Zusammenfassung

1. Einleitung

Bereits aus dem Klappentext läßt sich die Zielsetzung dieses Buches entnehmen, das die Anwendungsbereiche interaktiver Medien in der Unternehmenskommunikation nach innen und außen behandelt: Die in der Veröffentlichung zusammengefaßten Beiträge sollen einen "Überblick über die Einsatzmöglichkeiten", "fundiertes Basiswissen" und daraus folgend einen "Einblick in faszinierende Geschäftsmodelle" vermitteln. Damit geht es hier nicht um detaillierte Darstellungen zu einzelnen Bereichen technologieunterstützter Informationsvermittlung. Beabsichtigt ist vielmehr, dem Leser anhand der Beschreibung der im Titelzusatz genannten Anwendungen eine Beurteilungsgrundlage hinsichtlich der Chancen und Risiken multimedialer Kommunikation für die eigene Organisation zur Verfügung zu stellen.JurPC Web-Dok.
171/1999, Abs. 1
Zu diesem Zweck ist das Buch in drei Abschnitte untergliedert: Nach einer Einleitung über grundlegende Entwicklungstendenzen im Multimediabereich führen zunächst einige Abhandlungen zu den Anwendungen, die im Blickpunkt der Betrachtung stehen (Telearbeit, Business TV, Call Center, Electronic Commerce) hin. Diese sollen im folgenden wegen ihrer grundlegenden Funktion für das Verständnis des Buches eingehend betrachtet werden.Abs. 2
Der zweite Abschnitt stellt dann Einsatzbereiche der besprochenen Medien, z. B. im Marketing, im Prozessmanagement oder in der Unternehmensentwicklung vor, bevor im letzten Teil Erfahrungen und Folgen des Einsatzes der beschriebenen Medien anhand praktischer Unternehmensbeispiele zusammengefaßt werden.Abs. 3

2. Zu den einzelnen Abschnitten

2.1 Erster Abschnitt: Neue Anwendungen und Informationstechnologien – Chancen und Risiken

Im ersten Abschnitt wird der Leser zunächst mit den verschiedenen Faktoren vertraut gemacht, die die steigende Bedeutung interaktiver Medien auch im Unternehmensbereich auslösten. Anschließend werden einige Analyseverfahren zur Beurteilung des Nutzens eines avisierten Medieneinsatzes im Unternehmen vorgestellt. Es fehlen jedoch eindeutige Definitionen oder Inhaltsbestimmungen der Begriffe "Medien" und "Interaktivität". Auch werden die im folgenden Schlagworte wie "Multimedia" oder "Virtualität" bemüht, ohne Abgrenzungen oder Überschneidungen dieser Bereiche zu erörtern. Der kurze und pauschale Hinweis auf eine vermeintliche juristische Grauzone (S. 7) wird dem tatsächlichen Stand der Rechtsentwicklung ebenfalls nicht gerecht. Dabei handelt es sich eher um eine Einstimmung auf des Thema als um eine thematische Einführung.Abs. 4
Auch die nachfolgenden Beiträge zu den einzelnen Formen des Medieneinsatzes sind von unterschiedlicher Qualität: Abs. 5
Positiv hervorzuheben ist der Abschnitt über die Telearbeit. Von ihren verschiedenen Formen über eine kurze Bestandsaufnahme ihrer Verbreitung und die Auswirkungen ihrer Einführung auf die internen Unternehmensvorgänge sowie auf Führungskräfte und Mitarbeiter bis hin zu Phasen ihrer Einführung werden die wichtigsten Bereiche besprochen. Die Darstellung ergibt eine Schablone, die – über die eigene Organisation gelegt – eine erste Beurteilung über ihre Eignung für diese Arbeitsform und den potentiellen Nutzen ermöglicht. Einzig einige rechtliche Aspekte, wie etwa die Einbeziehung des Betriebsrates oder die Regulierungs- und Haftungsfragen bei Schäden aufgrund falscher Behandlung von Daten am Telearbeitsplatz – durchaus kostenträchtige Gesichtspunkte - werden bis auf einen kurzen Hinweis (S. 36) vernachlässigt.Abs. 6
Enttäuschend ist hingegen das Kapitel über Electronic business. Die ist eine der momentan meistdiskutierten Anwendungsformen interaktiver Medien. Während die Autoren auf dieses Faktum eingangs noch hinweisen (S. 41), verlieren sie es dann scheinbar selbst aus den Augen. Denn schon der Umfang der Darstellung von nicht einmal 14 Seiten (einschließlich ca. drei Seiten Abbildungen) läßt an der angemessenen Würdigung der Bedeutung des elektronischen Geschäftsverkehrs zweifeln. Die einzelnen Anwendungsfelder zwischen Unternehmen, Verbrauchern und öffentlichen Institutionen werden noch recht ausführlich dargestellt. Sehr dürftig fällt hingegen die Darstellung ihrer praktischen Umsetzung (ca. drei Seiten) aus. Der Einstieg in den elektronischen Geschäftsverkehr wird auf einen internetbasierten Web-Auftritt reduziert. Varianten wie etwa das Online-Banking fehlen völlig. Neben einer spärlichen Erwähnung der Sicherheits- und Zahlungsprobleme, jeweils ohne Lösungsvorschläge, fehlen auch rechtliche Aspekte. Anhand von Ausfallquoten von teilweise über 50 % der Forderungen (z. B. in der Anfangsphase des Online-Angebots My-world von Karstadt) gewinnen auch Themen wie das anwendbare Recht, Formfragen oder der Beweiswert elektronischer Willenserklärungen in einem Gerichtsverfahren an Bedeutung und sind für eine Kosten-/Nutzenanalyse unverzichtbar.Abs. 7
Informativ ist hingegen wieder der Beitrag über die Einsatzbereiche von Call Centern. Nach dem ausführlichen Hinweis auf die Möglichkeit, einen entsprechenden Service auch durch Einschaltung eines externen Anbieters zu integrieren legt der Verfasser Zusammenhänge mit anderen aktuellen Entwicklungen wie der Euroeinführung als mögliche Motivation zur Errichtung eines Call Centers dar. Eine detaillierte Darstellung der Realisierungsphasen und –faktoren sowie ein Ausblick auf das Potential der Call- als Service Center runden die Betrachtung ab.Abs. 8
Abschließend wird noch das Business TV als Kommunikations- und Informationsinstrument behandelt, das sich wegen des organisatorischen und finanziellen Aufwands sowie der besonderen Nutzeffekte vorrangig für größere Unternehmen ab ca. 500 Mitarbeitern eignet.Abs. 9

2.2 Zweiter Abschnitt: Einsatz neuer Technologien in kritischen Unternehmensfunktionen

Nach den Anwendungen werden im zweiten Abschnitt des Buches deren Einsatzbereiche erörtert. Die Betrachtung gilt sowohl nach außen wirkenden Konzeptionen, z. B. im Marketing, der Unterstützung des Außendienstes oder des Kundenkontakts als auch organisationsinternen Formen im Prozessmanagement und der Organisationsentwicklung. Die Beiträge sollen an dieser Stelle nicht im einzelnen betrachtet werden. Sie vermitteln aber ebenfalls Einblicke in die Potentiale, die Interaktivität als Schnittstelle zwischen zwei oder mehreren Marktsubjekten oder für die Unternehmensentwicklung bietet, wenngleich der Zusammenhang mit den im Fokus des Buches stehenden Instrumenten nicht immer leicht nachzuvollziehen ist.Abs. 10
Insbesondere die Abhandlung zum Prozeßmanagement überzeugt in ihrer Darstellung grundlegender Begriffe und Zusammenhänge als Ausgangspunkt für die Betrachtung der Vorteile, Anforderungen und Elemente der Einführung innovativer Technologien auf diesem Gebiet. Abs. 11
Die Einbeziehung von Barrieren, die möglicherweise von Seiten betroffener Mitarbeiter entstehen, im Abschnitt zur Organisationsentwicklung vervollständigen die Darstellung.Abs. 12

2.3 Dritter Abschnitt: Transformation bestehender Branchen durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien

Die Beiträge des dritten Abschnitts ergänzen die vorausgehenden Kapitel durch die Darstellung von Erfahrungsberichten hinsichtlich der behandelten Anwendungsfelder. Zum Teil finden sich hier sinnvolle Ergänzungen gerade zum ersten Abschnitt. So ergibt sich wiederum für den Bereich Telearbeit durch die Schilderung der Einführung dieser Arbeitsorganisation bei den LVM-Versicherungen ein vollständiges Bild der Thematik und bietet damit den in der Zusammenfassung versprochenen Überblick. Die praktische Einführung und Funktionsweise eines auf Business TV basierenden Informationssystems im Gerling-Konzern vermitteln weitere Aspekte zu dieser Anwendung. Weitere Berichte befassen sich mit der Wandlung der Druckindustrie, dem Einfluß von Multimedia im Gesundheitswesen, den Anstrengungen der Hamburg-Mannheimer Versicherung zur Verbesserung des Kundenkontakts sowie Strukturveränderungen in der Landwirtschaft.Abs. 13

3. Zusammenfassung

Das Buch kann durch die Verbindung von Grundlagenwissen und Praxisberichten ersten Einblick in die behandelten Anwendungsbereiche interaktiver Unternehmenskommunikation vermitteln. Hilfreich ist insoweit die Ergänzung der Beiträge des ersten und zweiten Abschnitts, in dem die Grundlagen dargestellt werden, durch die Erfahrungsberichte aus der Umsetzung der vorgestellten Konzepte in verschiedenen Unternehmen. Positiv ist außerdem die wiederholte Erwähnung der Zusammenhänge mit dem "Faktor Mensch" zu erwähnen, der den Erfolg des Einsatzes interaktiver Medien in weiten Bereichen maßgeblich beeinflußt und dennoch oft außer acht gelassen wird, wenn Kosten und Nutzen der Einführung neuer Technologien im Unternehmen diskutiert werden.Abs. 14
Allerdings sind die Auswahlkriterien nicht ersichtlich, nach denen der Herausgeber die Themenbereiche zusammengestellt hat. Es fehlen etwa elektronische Datenbanken und Online-Dienste für die Informationsverwaltung, die zum Teil als Basis für die behandelten Anwendungen dienen und deren Kenntnis bei der Zielgruppe des Buches nicht vorausgesetzt werden können. Auch die Möglichkeiten interorganisatorischer, also unternehmensübergreifender Projektkooperation auf Basis interaktiver Plattformen werden weitgehend vernachlässigt. Gerade hier liegt aber ein weiterer Schwerpunkt des Einsatzes interaktiver Medien. Weiterhin vermißt man etwa bei den Beispielen zum Onlineshopping die Internet-Adressen, die eine multimediale und damit dem Thema des Buches entsprechende Erfassung des Inhalts ermöglicht und damit das Verständnis erleichtert hätten. Daneben wäre ein Stichwortverzeichnis wünschenswert.Abs. 15
Unter diesen Lücken leidet die Ausagekraft des Buches, das sich, wenn auch nicht als ausführliche Anleitung zur Einführung neuer Organisations- und Informationswerkzeuge, so doch als aktuelle Bestandsaufnahme darstellt.Abs. 16
Geeignet ist es aus diesem Grund nur für den Leser, der sich nicht umfassend über Potentiale der Integration von Informationstechnologie informieren will, sondern bereits eine Vorauswahl im Sinne einer der behandelten Anwendungen getroffen hat. Er kann sich diesbezüglich jedoch mit den oben genannten Einschränkungen die angestrebte Beurteilungsgrundlage verschaffen, der ihm als Ausgangspunkt für eine Entscheidung oder Strategie dient.
JurPC Web-Dok.
171/1999, Abs. 17
* Nach seinem Jurastudium an den Universitäten Saarbrücken und Münster/Westfalen ist Oliver Christian Beyer Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik an der Universität Saarbrücken und Redaktionsmitglied des Juristischen Internetprojekts. Im Rahmen einer Promotion befaßt er sich mit (insbesondere arbeits-) rechtlichen Fragestellungen, die durch das in der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik entwickelte Modell der sog. virtuellen Unternehmen aufgeworfen werden. Im November dieses Jahres wird er den juristischen Vorbereitungsdienst in Düsseldorf antreten.
[online seit: 29.10.99]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

Top 10

kein element gefunden
Anzeige
notarprompt
 
kein element gefunden
kein element gefunden
Anzeige
notarprompt
 
kein element gefunden
kein element gefunden
Anzeige
notarprompt
 
kein element gefunden
kein element gefunden
Anzeige
notarprompt
 
kein element gefunden

Klassiker

JurPC App