JurPC Web-Dok. 155/1998 - DOI 10.7328/jurpcb/19981310154

41. Internationale CISAC- Konferenz;
Grußwort des Bundespräsidenten

Engagement für den Schutz der kulturellen Vielfalt

JurPC Web-Dok. 155/1998, Abs. 1 - 10


Bundespräsident Roman Herzog eröffnete am 06. September 1998 den Empfang für die Teilnehmer des 41. Weltkongresses der Conféderation Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs (CISAC) im Schloß Bellevue in Berlin. Einzelheiten zum Kongress findet man im Internet unter http://www.cisac.org/index2.phtml?lang=de. JurPC veröffentlicht nachfolgend den Text des Grußwortes des Bundespräsidenten (Quelle: Bulletin des Bundespräsidialamtes vom 16.09.98):JurPC Web-Dok.
155/1998, Abs. 1
Sehr geehrte Frau Bergman,
sehr geehrter Herr Professor Kreile,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
Abs. 2
ich freue mich, daß Sie meiner Einladung gefolgt sind, und darf Sie im Schloß Bellevue herzlich willkommen heißen. Viele von Ihnen haben weite Wege hinter sich gebracht, und Sie treffen - möglicherweise zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung Deutschlands - hier in Berlin auf eine Metropole im Wandel. Die Berliner Mauer ist nur noch in musealen Resten vorhanden - freilich auch noch in manchen Köpfen - und die umfangreichen Baumaßnahmen im Herzen der Stadt, dort, wo die Mauer vorher stand, lassen das Ausmaß der Veränderungen erkennen.Abs. 3
Parlament und Regierung werden im Sommer nächsten Jahres von Bonn nach Berlin ziehen. Die Mitarbeiter meines Amtes - soweit sie nicht schon da sind - kommen in bereits gut zwei Monaten hierher.Abs. 4
Berlin ist durch eine glückliche Fügung der Geschichte in Bewegung geraten, und es wird seinen Nutzen daraus ziehen, da bin ich mir sicher. Ich wünsche mir, daß Sie während Ihres Aufenthaltes ein wenig von der Um- und Aufbruchstimmung spüren. Vor Ihnen liegt ein umfangreiches Kongreß-Programm. Die Richtung haben Sie mit dem Motto Ihres Kongresses bereits benannt. Es geht im Kern um die Verwirklichung einer kulturellen Verpflichtung, die alle Beteiligten in dem dynamischen und vor allen Dingen globalen Prozeß der Digitalisierung etwas angeht.Abs. 5
Im Zentrum steht dabei der Schöpfer eines Werkes. Ohne seine Kreativität würde es für die elektronischen Medien gerade einmal zum Testbild reichen, oder, um im Bild zu bleiben, beim guten alten Hörfunk nur zu Nachrichten und zum Zeitzeichen.Abs. 6
Den Urheber gilt es in allererster Linie zu schützen, materiell und künstlerisch. Angesichts der technischen Entwicklungen wird dies freilich immer schwieriger. Ich begrüße es sehr, daß sich die CISAC in der Wahrnehmung von Autorenrechten in diesem Zusammenhang nicht nur defensiv als Institution begreift, die eine künstlerische Existenz wirtschaftlich absichern hilft, sondern, daß sie offensiv die letztlich entscheidende Bedeutung künstlerischer Kreativität als eines weltweit gültigen kulturellen Faktors unterstreicht. Wo kulturelle Vielfalt gelebt werden kann und gelebt wird, ist der Gedanke der Freiheit anwesend. Wo diese Freiheit fehlt, verkümmern die Ausdrucksmöglichkeiten. Abs. 7
Die CISAC versteht sich - allein schon durch ihre Zusammensetzung - als Bewahrerin der kulturellen Vielstimmigkeit. Daran haben nicht nur die Schöpfer eines Werkes ein Interesse, auch die Nutzer haben einen Anspruch darauf, Kultur in ihrer ganzen Vielfalt kennenzulernen. In diesem Zusammenhang ist es sehr erfreulich, daß auch die Staaten Mittel- und Osteuropas Zugang zur CISAC gefunden haben. Die Zusammenarbeit trägt dazu bei, das Netz des Urheberschutzes auch dort enger zu knüpfen und stabile Entwicklungen zu ermöglichen. Die Schnelligkeit, in der neue Kommunikationswege und -möglichkeiten entstehen, läßt ein Zurückbleiben nicht mehr zu. Wenn man im globalen Wettbewerb erfolgreich Schritt halten will, müssen sich Politik und Wirtschaft, aber auch die Verwertungsgesellschaften immer wieder bemühen, frühzeitig Antworten auf sich abzeichnende Entwicklungen mit ihren wirtschaftlichen, kulturellen, psychischen und sozialen Auswirkungen zu geben.Abs. 8
Vor rund zwölf Jahren habe ich - allerdings noch in anderer Funktion - die Meinung vertreten, daß eine Gesellschaft sich entwürdigt, wenn sie nicht bereit ist, Leistungen, die für sie erbracht werden, auch entsprechend zu achten, zu schützen und zu entlohnen. Die Reihenfolge ist mit Bedacht gewählt. Erst wenn sich der Respekt vor der Leistung des Urhebers umfassend durchgesetzt hat, ist Schutz und Entlohnung sicher. Früher waren Piraten nur auf den Weltmeeren anzutreffen, heute lauern sie digital und on-line in allen Erdteilen. Die Bekämpfung des Urheberrechtsmißbrauchs geht auch diejenigen etwas an, die die Zugänge organisieren oder eröffnen, egal wo sie ihren Sitz haben. Abs. 9
In der Zusammensetzung Ihres Kongresses begegnen sich die verschiedensten Kulturen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kongreß, daß die Rahmenbedingungen für kulturelle Vielfalt weiterhin positiv und in konstruktivem Geiste gestaltet werden können.
JurPC Web-Dok.
155/1998, Abs. 10
[online seit: 16.10.98 ]
Zitiervorschlag: Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

Top 10

Klassiker

JurPC App