JurPC Web-Dok. 154/1998 - DOI 10.7328/jurpcb/19981310153

Iris Kauffmann, Friedrich Scheuermann *

Studieren im globalen Dorf: juristische Online-Ausbildung in Saarbrücken

JurPC Web-Dok. 154/1998, Abs. 1 – 24


Autorenprofil
„Juristisches Arbeiten im Internet" lautet der Titel eines einzigartigen Online-Seminars im World Wide Web (WWW)(1), das international viel Beachtung gefunden hat. Seit 4 Semestern bietet das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes seinen Studenten die Möglichkeit des fachbezogenen Wissenserwerbs mittels neuer Technologien. Ziel des Kurses war es zunächst, angehenden Juristen die Möglichkeiten des Internets für ihr persönliches Arbeiten näherzubringen und auch auf die rechtliche Problematik hinzuweisen, die durch die Nutzung des Internets entsteht. Mittlerweile werden die technologischen Potentiale auch hinsichtlich des Wirkungskreises ausgenutzt und die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit vollständig integriert. Anfragen aus dem europäischen Ausland und auch aus Übersee führten dazu, daß das lokale Angebot inzwischen auf Berufstätige und ein internationales Fachpublikum ausgeweitet wurde.JurPC Web-Dok.
154/1998, Abs. 1
Ein Grund für die hohe Nachfrage ist sicherlich die zunehmende Bedeutung des Mediums im juristischen Alltag. So wird der Erwerb entsprechender Kompetenzen zur juristischen Arbeit im Internet im Studium und Berufsleben immer wichtiger. Bei der Kursentwicklung wurde daher ein Lernzielkatalog zusammengestellt, der den einzelnen Ausbildungsanforderungen Rechnung trägt und die zu vermittelnden Kenntnisse und Fähigkeiten im einzelnen auflistet, die im Verlauf des Kurses zu erreichen sind. Dazu gehören:
  1. Allgemeine Kenntnisse zum Internet und den einzelnen Diensten
  2. Umgang mit Suchmaschinen
  3. Auffinden von juristisch interessanten Quellen im Internet, z.B. WWW-Angebote, Mailinglisten und Newsgruppen des USENET(2)sowie deren Bewertung hinsichtlich von Qualität und Aktualität
  4. Kenntnisse zur wissenschaftlichen Arbeit im Internet
  5. Praktische Erfahrungen in der internetgestützten Zusammenarbeit
  6. Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Erstellung und Gestaltung von HTML-Dokumenten.
Abs. 2
Daß das Konzept erfolgreich ist, belegen sowohl die ständig steigenden Teilnehmerzahlen (die Kursstärke hat sich mittlerweile vervierfacht) als auch der sehr hohe Leistungsschnitt der Teilnehmer trotz unterschiedlicher Ausgangsvoraussetzungen und die Ergebnisse der Teilnehmerbefragungen am Kursende, die eine durchweg positive Resonanz ergaben.Abs. 3

Teilnehmer des Online-Seminars im Sommersemester 1998

Ausschreibungen in relevanten Mailinglisten fanden ein sehr positives internationales Echo. Neben zahlreichen Anfragen gingen über 179 Anmeldungen aus 28 Ländern zum Online-Seminar ein. Dabei handelte es sich zum einen Teil um Studierende, zum anderen Teil um angehende bzw. bereits berufstätige Juristen, Lehrer oder Hochschuldozenten. So überraschte es nicht, daß das Durchschnittsalter der Personen mit 31 Jahren relativ hoch war. Während die Mehrheit der Teilnehmer aus Deutschland kam (93 Personen) und dabei insbesondere Studierende der Universität des Saarlandes vertreten waren (64 Personen), waren auch viele Anmeldungen aus den USA (29), England und Schweden (jeweils 7) und Spanien (5) eingegangen. Für weibliche Personen stellte das Internet als Kommunikationsplattform offensichtlich kein Hindernis dar, da die Anzahl der weiblichen Teilnehmer mit einem Drittel sogar relativ hoch lag und auch im Verlauf keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt werden konnten. Neben den regulären Teilnehmern waren aber auch eine Vielzahl von „Gästen" präsent, die sich für die Thematik, nicht aber an dem Zertifikatserwerb und der Absolvierung entsprechender Anforderungen interessierten. Abs. 4
Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar war der Besitz einer E-mail-Adresse und der Zugang zum Internet sowie die Bereitschaft zur kontinuierlichen und aktiven Teilnahme am Seminar von mindestens zwei Stunden wöchentlich. Hatten sich die Interessenten über ein entsprechendes Formular im WWW angemeldet, so wurde ihnen eine individuelle Kennung mitgeteilt, die ihnen den Zugang zu einem vor öffentlichem Zugriff geschützten Seminarverzeichnis ermöglichte. Sämtliche Seminardiskussionen fanden somit in einem internen System statt, was auch eine freiere, unbefangenere Kommunikation ermöglichte. Da aber auch der Gedankenaustausch mit anderen Personen weltweit gefördert werden sollte, dienten spezielle Nachrichtenbretter („Café", Online-Konferenz) als Forum für breite öffentliche Diskussionen.Abs. 5
Nach dem Login gelangte der Teilnehmer auf eine interne Hauptseite, die auf einer Übersichtskarte den Zugriff auf die relevanten Aufgaben der jeweiligen Phase ermöglichte. In der Rubrik „Information" fanden sich alle wichtigen Hintergrundinformationen für die Seminarteilnahme. Dort konnten sich die Teilnehmer auch über ihren Leistungsstand informieren. In einer tabellenartigen Übersichtsgrafik konnten dort die Teilnehmerbewertungen aktuell abgerufen und die eigene Online-Beteiligung im Vergleich zu den Aktivitäten der Kommilitonen einem Balkendiagramm entnommen werden. War eine Person übrigens längere Zeit nicht in dem System eingeloggt, wurde automatisch per E-Mail die stärkere Mitarbeit angemahnt.Abs. 6

Kurskonzept

Im Sommersemester 1998 wurde erstmalig eine zweisprachige Kommunikationsplattform für Deutsch und Englisch eingerichtet. Bei Sprachschwierigkeiten konnte zur Erleichterung ein maschinelles Übersetzungssystem(3) im Internet herangezogen werden, das in die Arbeitsoberfläche des Seminars integriert worden war. Somit konnten die Teilnehmer aus allen Kontinenten der Erde unabhängig von Ort und Zeit ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu den in den Arbeitsaufträgen gestellten Problemen austauschen. Gewählt wurde dazu die direkteste Vermittlungsmethode: das Arbeiten im und mit dem Netz selbst. Die gesamte Kommunikation fand per Austausch elektronischer Nachrichten statt, wobei selbst das zur Lösung der Arbeitsaufgaben notwendige Material aus dem Internet bezogen wurde. Dabei unterstützten die Kursbetreuer, das „Online-Team", die Teilnehmer tatkräftig.Abs. 7
Die Aufteilung des Kurses in Module bzw. einzelne Phasen ermöglichte eine flexible Gestaltung des Kurses und stellte auch sicher, daß auf Verbesserungsvorschläge schnell reagiert werden konnte. Innerhalb des Seminars wurde sowohl individuell als auch in Gruppen gearbeitet. Die Unterschiedlichkeit der Lernformen, alleine oder in der Gruppe sowie die unterschiedlichen Themen der Aufgabenstellungen ermöglichten die Abdeckung der verschiedensten Bedürfnisse und trugen so auch zu einer regen Teilnahme und damit letztlich zu einem gesteigerten Lernerfolg bei. Diese Kombination der Arbeitsmethoden war auch vorteilhaft für ein gemeinsames Arbeiten von Teilnehmern unterschiedlichster Herkunft, da die Teilnehmer gehalten waren, sich untereinander zu helfen. Hierdurch sollte die Motivation erhöht und die Teilnehmer zur konstanten, aktiven Beteiligung angeregt werden.Abs. 8

Typische Kursstruktur ("Juristisches Arbeiten im Internet"- Sommersemester 1998)

Phase

Woche

Datum

Beschreibung

30.3.-1.5.

Anmeldung

1

1

5.5.-11.5.

Einführung

2

2

12.5.-18.5.

Literaturphase (Technologie)

Quiz 1

HTML-Workshop

3

19.5.-25.5.

Literaturphase (Technologie)

Quiz 2

HTML-Workshop

4

26.5.- 1.6.

Test

Quiz 3

HTML-Workshop

3

5

2.6. - 8.6.

Gruppenarbeit 1 (Suche im Internet)

Quiz 4

6

9.6. - 15.6.

Gruppenarbeit 1 (Suche im Internet)

Quiz 5

Design-Wettbewerb

7

16.6.-22.6.

Gruppenarbeit 1 (Suche im Internet)

Quiz 6

Design-Wettbewerb

4

8

23.6.-29.6.

Einzelarbeit (Evaluation von WWW-Angeboten)

Quiz 7

Konferenz

9

30.6.-6.7.

Einzelarbeit (Evaluation von WWW-Angeboten)

Quiz 8

Konferenz

5

10

7.7.- 13.7

Gruppenarbeit 2 (Juristische Thematik)

Quiz 9

Konferenz

11

14.7.- 20.7

Gruppenarbeit 2 (Juristische Thematik)

Quiz 10

Konferenz

12

21.7.-24.7.

Gruppenarbeit 2 (Juristische Thematik)

Quiz 11

Fragebogen

13

297

Abschlußdiskussion (für Saarbrücker Teilnehmer)

Schein-ausgabe

Fragebogen

Abs. 9
In den Kursphasen mußten die Teilnehmer verschiedene Aufgaben erfüllen. Nach der Bearbeitung ausgewählter elektronischer Literaturquellen zum Thema Internet und dem Erstellen von Internet-Seiten mußte das erworbene Wissen gleich mit dem Absolvieren eines Online-Tests und der Erledigung einer praktischen Aufgabe (Erstellung einer Homepage im HTML-Format nach festgelegten Vorgaben) unter Beweis gestellt werden. Die Teilnehmer wurden dadurch auch angehalten, ihre Kenntnisse umzusetzen bzw. zu verfeinern. Der „HTML-Workshop" diente ihnen dabei als Diskussionsforum, um untereinander Gestaltungs- und Umsetzungsfragen abzuklären. Ebenso wie bei den darauffolgenden Gruppenarbeiten wurde vom Kursteam lediglich „Hilfe zur Selbsthilfe" gegeben. Dazu standen sogenannte „Moderatoren" zur Verfügung, die immer dann in die Diskussion einhakten, wenn Probleme auftauchten, die alleine nicht bewerkstelligt werden konnten. Dies war keine einfache Aufgabe, doch boten ehemalige Seminarteilnehmer ihre freiwillige Mithilfe an, um aufgrund eigener Erfahrungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wichtig dabei war, einem Kursteilnehmer den Eindruck zu vermitteln, daß er zu keinem Zeitpunkt mit seinen Fragen und Problemen alleine gelassen war. Insbesondere die Mithilfe der beiden amerikanischen und schwedischen Moderatoren wirkte sich sehr wertvoll aus, da diese auch über die Fachkompetenz hinsichtlich der Anwendung geeigneter Moderationsformen verfügten und es verstanden, Teilnehmer immer wieder aufs Neue zu motivieren und erlahmende Diskussionen zu reaktivieren. Die internationale Zusammenarbeit bestand also nicht nur auf Teilnehmerebene.Abs. 10
Um die Anonymität untereinander weitestgehend abzubauen, wurden die Teilnehmer in der Einführungsphase aufgefordert, sich auf einem im WWW bereitgestellten Formular vorzustellen. Kommilitonen konnten sich darüber später über ihre Mitstreiter informieren und fanden dort gegebenenfalls auch bereits Anknüpfungspunkte für erste Gespräche. Außerhalb der kursrelevanten Aktivitäten konnte ein Meinungsaustausch im lockeren Rahmen im „Café"(4)stattfinden, das den Teilnehmern ebenso wie der interessierten Öffentlichkeit rund um die Uhr offen stand.Abs. 11
Während der ersten beiden Gruppenarbeiten waren Stellungnahmen anzufertigen: zum Nutzen des Internet für die juristische Informationssuche und zur Anwendbarkeit von maschinell angefertigter Übersetzungen, die von entsprechenden Systemen im Internet(5)von juristischen Originalvorlagen (UN-Kaufrecht) generiert wurden. Daneben wurden in einer Einzelarbeit Vertriebskonzepte von Shareware unter die Lupe genommen. Für solche Diskussionen standen „Diskussionsbretter" zur Verfügung, die eine Funktion zum Versenden und Lesen von Nachrichten innerhalb der Gruppe beinhalteten und diese auf einer Übersicht für den Abruf zusammenstellten(6). Mittlerweile konnten dort auch Dokumente für die gemeinsame Redaktion abgelegt werden, so daß die Endarbeit bei der Zusammenstellung des Gruppenreferats nicht bei einer Person hängen blieb. Da die Gruppenarbeit bisweilen auch sehr zähflüssig verlaufen konnte, wenn Mails nicht täglich abgerufen bzw. neue Nachrichten versandt wurden, konnten sich die Teilnehmer auch im „Chat-Raum" verabreden, in dem eine synchrone Kommunikation in Echtzeit möglich war. Diese Möglichkeit wurde auch zu allen Tageszeiten häufig genutzt. Chat-Systeme waren bei Studierenden allgemein sehr beliebt. Problematisch wurde der Seminareinsatz allerdings dann, wenn verschiedene Zeitzonen zu berücksichtigen waren.Abs. 12
Einige Erfahrungen wurden auch mit weiteren „Kommunikationstools" gesammelt. So wären auch internetbasierte Videokonferenzen auf dem Seminarserver möglich gewesen, doch wurde von dieser Option kein Gebrauch gemacht. Zwar ist die dafür erforderliche Ausstattung inzwischen relativ kostengünstig auf dem Markt erhältlich (ca. 300 DM), doch waren es im Endeffekt nur 8 Personen, die technisch in der Lage gewesen wären, sich an einer solchen Videokonferenz zu beteiligen. An eine feste Integration in das Seminarkonzept war daher nicht zu denken. Die Nutzung des „Videokonferenzraumes" auf der Seminaroberfläche war daher der freiwilligen Initiative überlassen.Abs. 13
Belebende und motivierende Elemente stellten die wöchentlichen Quizzes dar, in denen ebenso gelernte Sachfragen zum Internet wie auch Fragen zu geeigneten Arbeitsmethoden präsentiert wurden. Animierend waren insbesondere die Aufgaben eines indischen Quizmasters(7), der für das Online-Seminar spannende Quizfragen zusammenstellte. So waren die beteiligten Personen des „Black Sox"-Skandals herauszufinden, der „Erfinder" des genetischen Fingerabdrucks zu benennen oder das Vergehen zu ermitteln, für das Al Capone zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt worden ist. Da besonders die Online-Gruppenarbeit für die meisten neu war und die damit verbundenen gruppeninternen organisatorischen Aufgaben mit einem erheblichen Kommunikationsaufwand in Zusammenhang standen, dienten die Quizzes auch der Unterstützung eines individuellen Erfolgserlebnisses.Abs. 14
Der Motivationssteigerung diente auch der Design-Wettbewerb. Die Teilnahme war freiwillig, und die Bewertung erfolgte alleine durch das Votum aller Seminarteilnehmer. Thema des Wettbewerbs war die Erstellung einer Homepage für Hubert Grotius, der von vielen Juristen als „Vater des Völkerrechts" angesehen wird. Neben dem Erwerb entsprechender Fertigkeiten zur Erstellung und Gestaltung von HTML-Seiten wurde damit gleichzeitig ganz nebenbei noch ein weiteres Ziel erreicht: die Teilnehmer lernten so auch einige historische Details, die mit der Rechtslehre in Zusammenhang stehen.Abs. 15
Schließlich diente eine öffentliche Online-Konferenz zum Thema „Geschäfte im Internet - Electronic Commerce" unter der Leitung der Saarbrücker Professoren Helmut Rüßmann, Maximilian Herberger und Dr. Jörg Britz dem hochqualifizierten Meinungsaustausch unter internationalen Fachleuten auch außerhalb der Seminarumgebung(8). Das Interesse an dieser Konferenz war bereits im Vorfeld sehr groß, doch darf auch nicht vergessen werden, daß Sprachbarrieren nach wie vor ein großes Hindernis in der Kommunikation darstellen. Abs. 16

Ergebnisse

Mit Hilfe von Fragebögen wurden die Teilnehmer zu einzelnen Aspekten des Kurses, den einzelnen Phasen und ihrer Meinung zum gesamten Kurs befragt. Die Evaluation der Ergebnisse sollte bewirken, daß das Niveau des Kurses hochgehalten und ständig verbessert werden kann(9). Zutage kam eine sehr große Zufriedenheit hinsichtlich der Seminarteilnahme. Die Beurteilungen des Kurses waren im Durchschnitt bei allen Fragen zum Inhalt und zur Gestaltung durchweg positiv. Die zahlreichen lobenden Mails von Teilnehmern bestätigten die Sinnhaftigkeit solcher Veranstaltungen, im Studium ebenso wie für die zukünftige berufliche Tätigkeit. Dabei fiel auf, daß Studierende der Universität des Saarlandes zwar insgesamt eine gute Bewertung abgaben, trotzdem in nahezu allen Bereichen niedrigere Noten gaben (Durchschnittsmittelwert 6,9 auf der 10er-Skala) als die ausländischen Teilnehmer (7,2). Abs. 17
Kritik wurde insbesondere hinsichtlich der Ausführung von Gruppenarbeiten laut. Teilnehmer wiesen auf Ungerechtigkeiten hin, die die Gleichbewertung aktiver und weniger aktiver Teilnehmer eine Gruppe betrafen. Zudem wurden auch Frustrationserlebnisse deutlich, wenn zugeteilte Gruppenmitglieder von Anfang an nicht mitarbeiteten oder zwischendrin ausschieden. Dies erforderte ständig neue Koordinationsmaßnahmen von den Verbleibenden. Trotzdem wurde die Fortführung dieses Online-Seminars von allen einhellig bejaht und auch der Wunsch nach weiteren Kursangeboten dieser Art geäußert. Abs. 18
Problematisch zu bewerten ist ferner der Aufwand, der mit der Entwicklung, Organisation und Durchführung eines solchen Kurses verbunden ist. Neben Professoren und anderen Lehrtätigen sind eine Vielzahl an studentischen Helfern eingebunden, die größtenteils freiwillig die Betreuung bestimmter Aufgabenbereiche übernahmen. Hervorzuheben sind dabei ebenso die technischen Arbeiten, wie der hohe Betreuungsaufwand, der mit der Unterstützung der Seminarteilnehmer verbunden war. Nur wenn die Kommunikation unter den Teilnehmern kontinuierlich verläuft und diese Kommunikation täglich überprüft wird, ist es möglich, bei auftretenden Problemen schnell genug eingreifen zu können. So errechnete sich eine Frequenz von durchschnittlich 87 Mails je Tag, die im Rahmen des Seminars anfielen. Ein Großteil entfiel dabei auf die Kommunikation der Teilnehmer untereinander (38) und des Teams zur Organisation der einzelnen Arbeitsschritte (15). Ebenso trafen durchschnittlich 8 Anfragen täglich bei der Kursleitung ein, die sofort beantwortet werden mußten. Es wurde deutlich, daß eine ständige Betreuung selbst am Wochenende erforderlich war, da sonst eine kaum mehr zu bewältigende Arbeitsbelastung zu Wochenbeginn auftrat und der Kommunkationsfluß im Rahmen des Seminars gebremst wurde.Abs. 19
Fest steht, daß sich nicht nur die Lehrmethoden ändern werden, sondern damit verbunden auch die Rollen der Lehrenden und Lernenden neu definiert werden müssen. Die Studierenden des Online-Seminars in Saarbrücken sind selbständig tätige und interagierende Informationssuchende, deren Rechercheergebnisse wiederum neues Studienmaterial ergeben. Alle Arbeiten und Verweise werden nämlich in der Online-Bibliothek aufgenommen und den Kommilitonen zur Verfügung gestellt(10).Abs. 20

Ausblick auf die Zukunft von Online-Kursen

Diese Veranstaltung belegt, daß mit der Verfügbarkeit des Internets der interkulturellen Zusammenarbeit im Bildungswesen kaum mehr Grenzen gesetzt sind. Dies gilt für Teilnehmer ebenso wie für die Lehrtätigen, die nunmehr gemeinsame Veranstaltungen durchführen oder ihren Unterricht mit den Lehrangeboten anderer verknüpfen können. Abs. 21
Auch wenn noch nicht abschließend geklärt ist, welches die beste Lösung für eine hochwertige und moderne Ausbildung mit Hilfe des Internets ist, waren die Teilnehmer mit dem derzeitigen Angebot zufrieden. Da viele bereits im juristischen Berufsalltag standen, waren auch sie eine wertvolle Ressource für die studentischen Teilnehmer. Es wäre wünschenswert, wenn es auf diese Weise zu einem regeren Austausch zwischen Berufstätigen, Forschern und Studenten käme. Die Beiträge zur Konferenz zeigen deutlich, daß ein Bedarf zum internationalen juristischen Meinungsaustausch vorhanden ist. Wenn auch das Niveau für die meisten der teilnehmenden Studenten noch etwas zu hoch war, so war die internationale Diskussion zu den dargestellten Rechtssachverhalten auf jeden Fall gewinnbringend. Für diesen Bereich ist die Form des Telelearnings besonders geeignet, da hier unabhängig von Zeit und Ort studiert und geforscht werden darf.Abs. 22
Letztlich hängt aber die Ausweitung des Kursangebotes von der Finanzierung ab. Obwohl eine große internationale Beteiligung als qualitativ gewinnbringend angesehen wird, müssen feste Aufnahmekontingente für Teilnehmer ebenso überdacht werden, wie die Frage nach zusätzlichen Finanzierungsquellen für die Durchführung. Während für amerikanische Teilnehmer Kursgebühren selbstverständlich sind, macht es das deutsche Hochschulrecht schwer, solche Maßnahmen umzusetzen. Da das Angebot nicht auf Studierende der eigenen Universität begrenzt ist, muß auch die Kostenbeteiligung anderer diskutiert werden. Die Diskussion berührt dabei zwangsläufig auch die in einigen europäischen Ländern anhaltende gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Finanzierung der Hochschulausbildung. Je mehr von der Erschließung neuer Märkte und von internationalen Kooperationen die Rede ist, desto bedeutender wird auch die Wahl der geeigneten Sprache, in der (Online-)Hochschullehre vermittelt werden soll. Inwieweit sich dann Englisch für die Kommunikation durchsetzen wird, bleibt eine interessante, noch zu diskutierende Frage.Abs. 23
Das Studium in einem globalen Dorf mit diesem Online-Seminar wird als erfolgreiches Modell vorgestellt, das dem universitären Anspruch der wissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung mehr als gerecht wird.
JurPC Web-Dok.
154/1998, Abs. 24

Fußnoten:

(1)http://seminar.jura.uni-sb.de
(2) USENET ist ein Dienst, der über das Internet betrieben wird und für die Verteilung von Nachrichten an die verschiedenen Newsgroups zu spezifischen Themen zuständig ist.
(3)http://babelfish.altavista.digital.com/
(4)http://seminar.jura.uni-sb.de/seminar/ss98/juri/cafe/index.html
(5)http://babelfish.altavista.digital.com/
(6) Als Beispiel siehe Gruppendiskussionen des Sommersemesters 1997: http://www.jura.uni-sb.de/seminar/ss97/tn/grp3/
(7) Der Quizmaster, Herr Narasimhan, ist zuständig für eine Vereinigung von Hobbyquizzern „Inquizitive", deren Datenbank allen Interessierten zur Nutzung zur Verfügung steht: http://www.angelfire.com/in/narasimhan/index.html
(8)http://seminar/jura.uni-sb.de/seminar/ss98/juri/conf/
(9) Die Seminarbeiträge werden im Verlauf der nächsten Wochen anonymisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
(10) Als Beispiel siehe Online-Bibliothek des Sommersemesters 1997: http://www.jura.uni-sb.de/seminar/ss97/bibl/
* Iris Kauffmann, Diplom-Sportpädagogin, ist Sprachdozentin für Englisch und Mitarbeiterin am Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes. Im Rahmen der Online-Seminare kümmert sie sich um die internationalen Kontakte und erstellt die englischsprachige Version der Seminaroberfläche. Friedrich Scheuermann, M.A. (Informationswissenschaft, Psychologie, Rechtsinformatik) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes. Er ist dort für Telelearning und verschiedene Europäische Förderprogramme zuständig. E-Mail: scheuermann@jura.uni-sb.de(Homepage: http://www.uni-sb.de/~fritz).
[online seit: 16.10.98]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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