JurPC Web-Dok. 107/1998 - DOI 10.7328/jurpcb/1998137104

Ralf Linsler *

Rezension: Deutsche Notar-CD

JurPC Web-Dok. 107/1998, Abs. 1 - 11


Autorenprofil
Deutsche Notar-CD,
Volltext CD-ROM,
C. H. Beck Verlag
Edition 1/1998,
1.498,- DM (Vorzugspreis 998,- DM),
jährliches Update 798,- DM.
Dem Rezensenten lag lediglich eine zeitlich begrenzte Vollversion der Edition 1/1998 vor. Die Installation unter Windows 95/98 verläuft weitestgehend problemlos, das Setup-Programm muß über den Startbutton AUSFÜHREN aufgerufen werden, eine AUTORUN-Funktion wäre zeitgemäß. Eine Installation unserer Windows 3.X ist möglich. Das Suchprogramm benötigt 4,5 MB freien Speicherplatz auf der Festplatte. Eine Installation der gesamten CD-ROM samt Datenbestand - derzeit ca. 209 MB - auf der Festplatte wird vom Installationsprogramm nicht angeboten.JurPC Web-Dok.
107/1998, Abs. 1
Mit der Deutschen Notar-CD liegt eine CD-ROM vor, die laut Verpackung "alle wesentlichen Informationen für die notarielle Tätigkeit enthält und genau auf das Arbeitsgebiet des Notars zugeschnitten ist". Im Zugriff befinden sich die Deutsche Notar Zeitschrift (DNotZ) ab 1981 wesentliche Leitsätze und ab 1986 im Volltext; die Baden-Württembergische Notarzeitung (BWNotZ) ab 1986 im Volltext, die Mitteilung der Bayerischen Notarkammer (MittBayNot) ab 1970 wesentliche Leitsätze, ab 1986 im Volltext, die Mitteilung der Rheinischen Notarkammer (MittRhNotK) ab 1986 im Volltext und der Informationsdienst des Deutschen Notarinstituts (DNotI Report) ab Erscheinen im Jahr 1993 im Volltext. Schaut der Notar von seinem Bildschirm auf und in sein Bücherregal, vermißt er von den im C.H. Beck-Verlag erscheinenden Zeitschriften zumindest die Zeitschrift für Erbrecht und Vermögensnachfolge (ZEV) und die Praxis der Freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGPrax) auf der Notar-CD. Ebenfalls nicht enthalten sind die von der Ländernotarkasse Leipzig herausgegebene Zeitschrift für die notarielle Beratungs- und Beurkundungspraxis (NotBZ) und die Zeitschrift für die Notarpraxis (ZNotP).Abs. 2
Nach Aufruf über das Startmenü (die Installationsroutine legt keine Verknüpfung auf dem Desktop ab) begrüßt die Notar-CD den Anwender direkt mit dem Suchbildschirm:
(Je nach eingestellter Auflösung und Schriftart kann es zu Darstellungsfehlern - abgeschnittene Feldbezeichnungen - kommen):
Abs. 3
Die Suchmaske ist die gleiche, die auf der ebenfalls im C.H. Beck-Verlag erscheinenden NJW-CD zur Anwendung kommt. Es ist sogar möglich über die Auswahlleiste ANWENDUNGEN zwischen Notar-CD und NJW-CD, ohne Schließen des Programms, zu wechseln. Mit der Suche im einfachen Modus hat der Anwender die Möglichkeit nach Wörtern im Volltext, nach einer Normenkette, nach dem Gericht, nach dem Datum und/oder nach der Fundstelle zu suchen. Über den Button Details vergrößert sich die Suchmaske um vier weitere Felder, die über Auswahlleisten mit den Suchkriterien Normenkette, Kurztext, Volltext, Gericht, Datum, Aktenzeichen, Verfahren, Autor, Fundstelle, Dokumentart, Zeitschrift, Jahrgang, Seite und Rubrik belegbar sind.
Jedem Suchfeld sind Indexlisten zugeordnet, die über einen jeweiligen Button zugänglich sind. Diese Indexlisten ermöglichen gezielte Auswahl eines Suchstrings für ein Feld. Auch läßt sich die Suche auf eine Dokumentart direkt beschränken. Diese vielseitigen Suchkriterien und Verknüpfungsmöglichkeiten lassen auch beim versierten Anwender keine Wünsche offen. Über das Hauptmenü ist unter dem Punkt Suchen auch eine Expertensuche zugänglich, die jedoch der Bezeichnung entsprechend erst dem routinierten Anwender weitere Vorteile bei der Suche verschafft. Neben diesen umfangreichen Suchmöglichkeiten kann der Anwender auch die einzelnen Zeitschriften über deren Inhaltsverzeichnis - einem Windows95-Explorer ähnlichen Browser - durchforsten oder so das Umfeld gefundener Dokumente einsehen.
Abs. 4
War die Suche erfolgreich, wechselt man über den Button ANZEIGE ins Anzeigefenster. Standardmäßig teilt sich das Anzeigefenster in einen linken Bereich, in welchem sich die gefundenen Dokumente nach Autor, Titel, Heft, Jahr, Seite, Rubrik gegliedert finden und einen rechten Bereich, in welchem das ausgewählte Dokument im Volltext angezeigt wird. Die Größe der beiden Fenster ist frei variierbar. Über die Buttonleiste kann der Anwender zwischen Einzelfensterdarstellung und geteilter Darstellung wechseln. In der Volltextdarstellung sind die gefundenen Suchkriterien markiert, ein Anspringen jeder einzelnen Fundstelle ist über die Buttonleiste möglich. Die Dokumentenansicht läßt sich auf eine Leitsatz/Abstraktansicht und eine sogenannte Dokumentenübersicht umstellen. Abs. 5
Das Hypertextformat der Volltextdokumentendarstellung ist eine der Stärken der Notar-CD. Paragraphen, Fundstellen und Verweise auf andere Dokumente sind farblich abgesetzt und wie auf einer Internetseite mit einem Link versehen . Der Mauszeiger wird zur Hand und ermöglicht über die sogenannte Beck Connectivity den Zugriff auf andere CD-ROMs aus dem C.H. Beck-Verlag, z. B. die NJW-CD-ROM oder die Gesetzestexte-CD-ROMs. Die Anschaffung dieser CD-ROM's vorausgesetzt, erlebt der Anwender das Bearbeiten des Dokuments wie das Surfen im Internet. Als Wermutstropfen muß man jedoch in Kauf nehmen, daß man bei mehreren CD-ROMs schnell zum Disc-Jockey wird, um allen Links nachgehen zu können. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Installationsroutinen der Beck CD-ROMs eine Installation des Datenbestandes auf die Festplatte zuließe. Zumindest in moderneren PC's mit Festplattenkapazitäten über 4 GB wäre dies aus Sicht des Anwenders unproblematisch. Abs. 6
Anlaß zur Kritik bietet die Druckfunktion. Zwar wird der Volltext von Anfang bis Ende ausgedruckt, doch besteht nicht die Möglichkeit, den Ausdruck platzsparend zu formatieren. Ein umfangreicher Aufsatz beispielsweise aus der MittRhNotK macht sich beim Ausdruck mit der Notar-CD-ROM auf ca. doppelt so vielen Seiten breit wie im Printmedium. Hilfreich wäre eine Möglichkeit der Schriftgrößenreduzierung oder des Ausdrucks mehrerer Seiten auf eine DIN A4-Seite. Abs. 7
Die Übernahme des gesamten Volltextes oder Teile davon in die Textverarbeitung ist nur über die Windows-Zwischenablage möglich. Hierbei gehen sämtliche Formatierungen verloren. Will man dies verhindern, muß man den Volltext erst in eine Datei im Richtext-Format exportieren und diese wiederum über die Textverarbeitung aufrufen. Hierbei ist es nicht möglich, den Ablagepfad der Datei anzugeben. Diese wird automatisch in das Unterverzeichnis C:\beck\dwt abgelegt. Zwar findet sich im ansonsten sehr übersichtlich und gut gegliederten Handbuch ein entsprechender Hinweis, doch wird ein ungeübter Anwender auch damit wenig anfangen können und die exportierte Datei vergeblich suchen.Abs. 8
Dem Standard vergleichbarer CD-ROMs entsprechend, gehört auch zum Leistungsumfang der Notar-CD eine Anmerkungsfunktion, mit welcher sich eigene Notizen zu jedem Dokument abspeichern lassen.Abs. 9
Ein weiterer Kritikpunkt ist der lange UPDATE-Zyklus. Die Notar-CD soll für den Abonnenten einmal jährlich neu erscheinen. Dies bedeutet, daß der Anwender mindestens zehn Monate im Jahr mit einem veralteten Datenbestand arbeiten muß. Hier wäre ein Quartal-Zyklus oder zumindest ein halbjährliches Update von Nöten. Ein noch aktuellerer Datenbestand wäre über ein Update über das Internet zu erzielen.
Das Deutsche Notarinstitut macht es vor: Über http://www.dnoti.de ist Wochen vor dem Erscheinen des Printmediums der DNotI-Report im Volltext herunterladbar.
Abs. 10
Das Fazit muß insbesondere angesichts des Preises von 1.498,- DM für die CD-ROM und 798,- DM für das jährliche Update negativ ausfallen. Dem hohen Anspruch, "alle wesentlichen Informationen für die notarielle Tätigkeit zu enthalten", kann die Deutsche Notar-CD schon vom Umfang der enthaltenen Zeitschriften nicht gerecht werden. Die mangelhafte Aktualität degradiert die Notar-CD zu einem - und das bleibt als positiv festzuhalten - guten Findex mit ausgereifter Such-Engine. Das Hypertextsystem und die Beck Connectivity offenbaren Licht (Surfen wie im Internet) und Schatten (Disc-Jockey, Druckfunktion, Textübernahme).
Der Notar wird sich zweimal überlegen, ob er für einen nur zwei Monate im Jahr aktuellen Findex das Geforderte investiert.
JurPC Web-Dok.
107/1998, Abs. 11
Anmerkung der Redaktion:
Bitte beachten Sie auch die Mitteilung des Verlages C.H. Beck zur geänderten Aktualisierung der Notar-CD (vgl. JurPC Web-Dok. 67/1999).
* Ralf Linsler ist Notarassessor im Bereich der Saarländischen Notarkammer und zugleich deren EDV-Beauftragter.
[online seit: 31.07.98]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.

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