JurPC: Internet-Zeitschrift für Rechtsinformatik
 
Stand: 07.02.2012 Herausgeber: Prof. Dr. Maximilian Herberger Home Impressum E-Mail an die Redaktion

Sascha Kremer *

Die großen Fünf:
Professionelle Online-Dienste für Juristen im Test.
Zusammenfassung der Hintergründe und Ergebnisse der Studie

JurPC Web-Dok. 205/2004, Abs. 1 - 33


Inhaltsübersicht

A. Einleitung

B. Studie: Professionelle Online-Dienste für Juristen

C. Erwartungen an professionelle Online-Dienste für Juristen

D. Ergebnisse der Studie
     I. beck-online
    II. juris
   III. LEGIOS
    IV. LexisNexis
     V. Westlaw DE

E. Fazit und Gesamtbewertung
Im März 2004 hat das Zentrum für Informationsrecht (http://ww w.jura.uni-duesseldorf.de/informationsrecht/) an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (http://www.uni-duesseldorf.de) die von Prof. Dr. Ulrich Noack (http://www.j ura.uni-duesseldorf.de/dozenten/noack/) und seinen Mitarbeitern erstellte Studie "Die großen Fünf: Professionelle Online-Dienste für Juristen im Test" vorgestellt (Download: http://www.jura.uni-duesseldorf.de/informat ionsrecht/materialien/studie_onlinedienste.pdf). Die Studie untersucht Inhalte, Bedienung, Funktionalität und Kosten der kostenpflichtigen Angebote beck-online (http://www.beck-online.de), juris (http://www.juris.de), LEGIOS (http://www.legios.de), LexisNexis (http://www.lexisnexis.de) und Westlaw DE (http://www.westlaw.de). Der nachfolgende Beitrag fasst die Hintergründe und wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammen. JurPC Web-Dok.
205/2004, Abs. 1

A. Einleitung

Aus der täglichen Arbeit von Juristen in Ausbildung und Praxis ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Insbesondere die Recherche von juristischen Fachinformationen gestaltet sich durch die Nutzung des Internet einfacher, komfortabler und vor allem weniger zeitintensiv als mit Hilfe von Mikrofiche und Karteikästen. Zur Recherche bieten sich dabei sowohl die mittlerweile in ihrer Vielzahl kaum noch überschaubaren unentgeltlich zugänglichen juristischen Angebote (Übersichten in der Datenbank CALL unter http://www.jura.uni-du esseldorf.de/call/ und beim JIPS unter http://www.jura.un i-sb.de/internet/Mail.html) als auch professionelle kostenpflichtige Online-Dienste an. Abs. 2
Obwohl die unentgeltlich zugänglichen Seiten zuweilen qualitativ hochwertiges Material unter kompetenter redaktioneller Betreuung bieten weisen sie doch grundsätzliche strukturelle Nachteile gegenüber den kostenpflichtigen Online-Diensten auf: Ihnen mangelt es nicht nur an einer angebotsübergreifenden, die juristischen Bedürfnisse berücksichtigenden Suchoption, sondern insbesondere am Zugriff auf juristische Fachliteratur. Die Möglichkeit, Kommentare, Handbücher und die jeweilige Rechtsprechung online abfragen und in der eigenen Arbeit verwerten zu können, ist in der Praxis von herausragender Bedeutung; nicht nur, weil ein ernsthaftes Arbeiten ohne die bislang außerhalb der kostenpflichtigen Angebote nur in gedruckter Form vorliegenden Standardwerke (noch) nicht möglich ist, sondern auch, weil die Zitierfähigkeit von Online-Quellen (noch) die Ausnahme ist.(2) Abs. 3
Mittlerweile werben neben den Anbietern reiner Fundstellen- und Entscheidungsdatenbanken(3) mit beck-online (http://www.beck-online.de), juris (http://www.juris.de), LEGIOS (http://www.legios.de), LexisNexis (http://www.lexisnexis.de) und Westlaw DE (http://www.westlaw.de) bereits fünf umfassende kostenpflichtige Online-Dienste mit Datenbanken aus Normen, Rechtsprechung und Literatur um die Klientel aus Anwälten, Gerichten, Wissenschaftlern, Auszubildenden und Behörden. Dabei unterscheiden sich deren Angebote in Inhalt, Funktionalität, Bedienung und Kosten zum Teil erheblich. Abs. 4

B. Studie: Professionelle Online-Dienste für Juristen

Eine Bewertung des aktuellen Entwicklungsstands professioneller Online-Dienste für Juristen und eine Hilfestellung für die Auswahl des "richtigen" Angebots liefert die im März 2004 vom Zentrum für Informationsrecht (http://ww w.jura.uni-duesseldorf.de/informationsrecht/)(4) an der Juristischen Fakultät (http://www.jura.uni-duessel dorf.de/) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (http://www.uni-duesseldorf.de) veröffentlichte Studie "Die großen Fünf: Professionelle Online-Dienste für Juristen im Test" (http://www.jura.uni-duesseldorf.de/informationsrecht/ver oeffentlichungen.asp). Zwischen Oktober 2003 und Februar 2004 haben Prof. Dr. Ulrich Noack (http://www.j ura.uni-duesseldorf.de/dozenten/noack/), Direktor des Zentrums für Informationsrecht und Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie seine Mitarbeiter Michael Beurskens und Sascha Kremer die Angebote der fünf großen kostenpflichtigen Online-Dienste für Juristen unter Berücksichtigung verschiedener Nutzerprofile in Inhalt, Funktionalität, Bedienung und Kosten geprüft und verglichen. Abs. 5

C. Erwartungen an professionelle Online-Dienste für Juristen

Ein umfassender Online-Dienst für Juristen sollte nicht nur Bundesgesetze, sondern zumindest optional auch landes- und europarechtliche Regelungen anbieten. Neben der aktuellen Rechtsprechung der Bundesgerichte, die ohnehin über deren Webseiten unentgeltlich zugänglich ist, sind zudem ältere Entscheidungen sowie die Rechtsprechung der Instanzgerichte und des EuG bzw. des EuGH(5) zu erfassen. Daneben muss der Zugang zu wissenschaftlichen Beiträgen in Zeitschriften, Kommentaren, Lehr- und Handbüchern gewährleistet sein. Da derzeit kein Anbieter das gesamte Spektrum juristischer Fachzeitschriften abdecken kann ist zusätzlich die Einbindung einer Rechtsbibliographie mit Fundstellennachweisen zu Gerichtsentscheidungen und Aufsätzen erforderlich. Abs. 6
Selbstverständlich sollten Tagesaktualität, die vollständige Verknüpfung der Inhalte durch Hyperlinks sowie das Aufzeigen von Parallelfundstellen und Verweisen auf einen ausgewählten Beitrag sein. Die Suchfunktionen müssen sowohl dem Neuling als auch dem Profi gerecht werden. Dies kann nicht nur durch verschiedene Suchmasken ("Schnellsuche", "Komfortsuche" oder "Erweiterte Suche"), sondern auch durch den intelligenten Umgang mit Suchbegriffen (Suche nach Wortstämmen und Beugungsformen) erfolgen. Um einen einfachen Zugang zu gesuchten Dokumenten zu ermöglichen müssen Trefferlisten beliebig sortierbar und unter Verwendung einschränkender Kriterien erneut durchsuchbar sein. Abs. 7
Ergänzt werden sollte das Angebot schließlich durch Export- und Druckfunktionen, die die Weiterverarbeitung eines oder mehrerer ausgewählter Dokumente in verschiedenen Formaten gestatten, sowie die Möglichkeit zur Anlage virtuelle Aktenmappen. Zusätzliche Features wie aktuelle Meldungen oder ein speziell auf die Recherche vom Handy oder PDA abgestimmtes Portal runden den idealen Online-Dienst für Juristen schließlich ab. Abs. 8

D. Ergebnisse der Studie

Nimmt man die zuvor formulierten Erwartungen an einen professionellen Online-Dienst zum Maßstab stellt man fest, dass keines der getesteten Angebote zur Gänze überzeugen kann. Jeder der Dienste bietet spezifische Vorteile, weist aber auch (zum Teil erhebliche) Einschränkungen in Inhalt, Bedienung oder Funktionalität auf. Gleichwohl ist keines der Angebote eine völlige Enttäuschung und zumindest mit dem Führungstrio aus beck-online (http://www.beck-online.de), juris (http://www.juris.de) und Westlaw DE (http://www.westlaw.de) lässt sich ohne weiteres professionell arbeiten; viele zeitraubende Gänge in Bibliotheken oder Archive werden entbehrlich. Die Ergebnisse im Einzelnen: Abs. 9

I. beck-online

Seit 2001 wird vor allem auf der Basis von Inhalten des Verlags C.H. Beck der Dienst beck-online (http://www.beck-online.de) betrieben. Angesichts der Dominanz des Beck-Verlags auf dem Markt für juristische Literatur verwundert es nicht, dass beck-online die größte Anzahl an Zeitschriften (beispielsweise NJW, GRUR, AP, NStZ, NVwZ), Kommentaren (etwa Münchener Kommentar zum BGB oder Schönke/Schröder zum Strafrecht), Fachbüchern und Formularsammlungen im Vergleichsfeld beinhaltet. Allerdings sind Zeitschriften wie NJW (ab 1981) und JuS (ab 2000) nicht seit Beginn ihres Erscheinens online, zudem fehlen wichtige Standardwerke wie der Palandt und die Aktualisierung der Online-Ausgabe erfolgt vielfach erst deutlich nach Veröffentlichung der gedruckten Ausgabe eines Kommentars. Auch die Darstellung der Kommentierungen kann nicht überzeugen: anstatt zusammengehörende Texte als ein Dokument zu präsentieren wird jede Randnummer als Einzeldokument angezeigt (und bei Einzelbezug entsprechend berechnet), worunter die Lesbarkeit deutlich leidet. Abs. 10
Rechtsprechung wird vor allem durch die im Angebot enthaltenen Zeitschriften erfasst, Entscheidungen des EuGH und erstinstanzlicher Gerichte fehlen vielfach. Die Gesetzestexte bestehen aus den bekannten Beck-Sammlungen (Schönfelder, Sartorius, Nipperdey, Aichberger) sowie aus der auch bei LEGIOS und Westlaw DE zum Einsatz kommenden Sammlung Nomos Deutsches Bundesrecht (http://www.bundesrecht.de). Schwächen zeigt das Angebot insbesondere im Landesrecht (nur Bayern) und im Europarecht. Als Bibliographie wird die hauseigene Leitsatzkartei (LSK) genutzt, die neben Veröffentlichungsdaten auch inhaltserschließende Kurztexte (sog. abstracts) enthält. Abs. 11
beck-online bietet neben einer Schnellsuche (Anzeige von Dokumenten durch Eingabe der Fundstelle) auch eine konfigurierbare Komfortsuche sowie eine schlicht gestaltete Spezialsuche, die kaum Hilfestellungen für unerfahrene Anwender leistet. Die Trefferlisten sind unübersichtlich und bieten nur eingeschränkte Sortiermöglichkeiten. Ein Export von Dokumenten ist nicht vorgesehen. Gut gelungen und im Testfeld ungeschlagen sind die Funktionen zur Verwaltung virtueller Aktenmappen, die allgemeinen Hilfefunktionen sowie die interne Verknüpfung der Inhalte durch Hyperlinks. Als besonderes Feature steht mit Beck2Go (http://www.beck2go.de) eine für PDAs optimierte Version zur Verfügung. Abs. 12
Wer nur die Suche in der beck-online Datenbank nutzen will zahlt 25,- EUR netto im halben Jahr ("BeckTreffer"); Einzeldokumente kosten zwischen 1,80 EUR und 12,- EUR. Günstiger ist das Abonnement von "Fachmodulen" zu Preisen zwischen 170,- EUR (Familienrecht plus) und 430,- EUR (Zivilrecht plus) halbjährlich netto mit zusätzlicher Ermäßigung beim Parallelbezug gedruckter Werke aus dem Beck-Portfolio. Abs. 13

II. juris

juris (http://www.juris.de) geht auf ein bereits 1973 begonnenes Projekt des Bundesjustizministeriums (http://www.bmj.de) zurück und nimmt angesichts der engen Verzahnung des Dienstes mit der deutschen Justiz eine herausgehobene Stellung ein. Das juris Web erfährt in den Bereichen Rechtsprechung, Bundesrecht und Literatur eine tägliche Aktualisierung. Auf Literatur in Zeitschriften und Kommentaren bietet juris nur einen sehr eingeschränkten Zugriff, hier stehen im Wesentlichen nur GRUR, BB sowie der Praxiskommentar zum BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht zur Verfügung. Zwar bieten die Datenbanken Literatur / Fakten / Bücher als Rechtsbibliographie Zugriff auf mehr als 545.000 abstracts zu Aufsätzen und Büchern; dies kann aber dem erheblichen Defizit an wissenschaftlicher Literatur im Volltext nicht abhelfen. Abs. 14
juris präsentiert sich mit einer aufgeräumten und klar strukturierten Oberfläche. Die konfigurierbare Suchmaske ermöglicht die freie Verknüpfung von Suchfeldern und bietet Schlagwortlisten für die verschiedenen Felder. Um den Benutzer zu aussagekräftigen Trefferlisten zu führen werden neben Wortstämmen und Beugungsformen auch Synonyme sowie adjektivische und substantivische Ableitungen des Suchbegriffs in die Suchanfrage einbezogen. juris ermöglicht die Anlage von Dokumentenmappen und die Eingabe persönlicher Notizen, zudem können Suchanfragen als Makro zur späteren erneuten Verwendung gespeichert werden. Leider fehlen erweiterte Möglichkeiten zum Dokumentenexport völlig. Diesem Defizit wird voraussichtlich die derzeit nur für die "Creditreform" Datenbank verfügbare neue Benutzeroberfläche abhelfen. Abs. 15
Für die Nutzung des juris Web fällt eine monatliche Gebühr von 25,- EUR netto (Einzelnutzer, Mindestvertragslaufzeit zwölf Monate) an, mit der die Recherche im gesamten Datenbestand abgedeckt ist. Für den Bezug von Einzeldokumenten wird ein Entgelt zwischen 1,- EUR und 12,- EUR netto fällig. Alternativ können Fachdatenbanken zu Preisen zwischen monatlich 25,- EUR und 98,- EUR netto (bis zu drei Nutzer) abonniert werden, die auch den Bezug der zur jeweiligen Fachdatenbank zählenden Dokumente ohne Aufpreis ermöglichen. Abs. 16

III. LEGIOS

LEGIOS ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Verlage Carl Heymanns, Dr. Otto Schmidt, der Verlagsgruppe Handelsblatt sowie der Haufe Mediengruppe. Im Angebot finden sich zwar zahlreiche Zeitschriften (etwa AG, DB, FamRZ, GmbHR, MDR, WRP); im Übrigen ist die Literaturauswahl wenig überzeugend, sie erfasst vor allem Insolvenzrecht (Häsemeyer) und UWG (Speckmann), deckt aber das allgemeine Zivil- und Strafrecht sowie das Arbeits- und Gesellschaftsrecht kaum ab. Als Rechtsbibliographie steht neben Kuselit-R (http://www.kuselit.de/online.h tm) auch die Fundstellendatenbank von Bahr zum ausländischen Recht in deutscher Sprache zur Verfügung. Abs. 17
LEGIOS greift auf die durch einige Normen ergänzte Sammlung Nomos Deutsches Bundesrecht zu; Vorschriften zum Landes- und Europarecht fehlen fast völlig. Dank der Einbindung der amtlichen Sammlungen BGHZ, BGHSt, BPatGE, BVerwGE und Buchholz kann der Bereich Rechtsprechung weitgehend überzeugen, zumal sich auch die Sammlungen BGHR, BGHDAT, OLGR, LAGR und BAGR bei LEGIOS finden. Leider wird auch hier die Rechtsprechung des EuGH weitgehend ausgeklammert. Abs. 18
Die Benutzeroberfläche präsentiert sich sehr unübersichtlich, die Trefferlisten beschränken sich auf Titel und Autor und verschweigen die genaue Fundstelle. Dafür kann die Trefferumgebung als ausklappbare Anmerkung angezeigt werden. Die auf den ersten Blick sehr funktional gestaltete "Erweiterte Suche" bietet Schlagwortlisten für zahlreiche Felder, lässt aber intelligente Suchfunktionen vermissen und leidet unter der schlechten Integration der einzelnen Datenbanken unter einer einheitlichen Oberfläche. Auch die Funktionen zum Druck und Export sind wenig gelungen. Zwar können mehrere Dokumente als einheitlicher langer Text angezeigt und gedruckt werden, ein Export (etwa durch Kopieren des Dokuments in eine Textverarbeitung) ist angesichts der verwendeten Tabellen aber nur eingeschränkt möglich. Mit Ausnahme einer Gruppierung mehrerer Dokumente ist ein Dokumentenmanagement nicht möglich, die Hilfe besteht nur aus einem einseitigen Text. Abs. 19
LEGIOS ermöglicht die monatsweise Nutzung ohne Grundgebühr bei einem Mindestumsatz von 10,00 EUR brutto im Monat, wobei Einzeldokumente zwischen 1,- EUR und 12,- EUR kosten. Alternativ sind Jahresabonnements einzelner Datenbanken zu Preisen von 80,- EUR (FamRZ) bis 690,- EUR (Deutsches Bundesrecht) möglich. Daneben werden Module speziell für Rechtsanwälte und Steuerberater ab 19,80 EUR bzw. 24,80 EUR monatlich (bei einjähriger Vertragslaufzeit, vierwöchige Testphase) angeboten. Abs. 20

IV. LexisNexis

Die Datenbank LEXIS ist eines der führenden Recherchemedien im US-amerikanischen Raum. Das Angebot in Deutschland (http://www.lexisnexis.de) befindet sich noch im Aufbau. Derzeit ist als "LexisNexis Professional" der Zugriff auf den Dienst der US-amerikanischen Muttergesellschaft (http://www.lexisnexis.com) möglich, der dem international tätigen Juristen ein umfassendes Portal des US-amerikanischen, britischen und europäischen Rechts erschließt. Für den deutschen Markt ist eine erweiterte, voraussichtlich im Herbst 2004 zur Verfügung stehende Form dieser Datenbank in Vorbereitung. Noch werden unter LEXsoft online (http://www.lexonline.info) verschiedene Produkte angeboten, darunter auch die als geeignet für "Anwälte, Gerichte und Behörden" beworbene Rechtsbibliothek. Abs. 21
Bereits auf den ersten Blick zeigen sich deren erhebliche Schwächen: Wissenschaftliche Literatur fehlt fast völlig, eine Rechtsbibliographie ist nicht vorhanden und Aktualisierungen erfolgen nur quartalsweise. Umfangreich ist dagegen mit mehr als 4.700 nationalen und europarechtlichen Normwerken das Angebot an Rechtsvorschriften. Daneben greift LexisNexis auf eine Datenbank mit insgesamt 173.000 Entscheidungen zurück. Zudem gibt es ein integriertes Rechtswörterbuch mit Erläuterungen zu 2.700 Begriffen. Absetzen kann sich das Angebot durch die mittels der Suchfunktion erschlossenen aktuellen Meldungen, die kommentierten Rechtsänderungen und die Möglichkeit, zusätzlich Module mit dem Landesrecht aller 16 Bundesländer in beliebiger Kombination freizuschalten. Abs. 22
Die dreigeteilte Benutzeroberfläche bietet stets sichtbare Fenster für Inhalte, Trefferliste sowie das jeweils aufgerufene Dokument. Über die am oberen Bildschirmrand befindliche Navigationsleiste ist ohne Umwege der Ausdruck oder Export von Dokumenten (pdf, e-Mail) sowie die Anlage von Dokumentenlisten möglich, die dann wiederum als Gesamtdokument gedruckt oder exportiert werden können. Auch die Suche wird allein von hier aus gestartet. Dies ist zugleich das große Manko: Die Suchfunktion ist viel zu unflexibel und erlaubt allenfalls eine Grobfilterung der Suchanfrage. Die sehr unübersichtlichen Trefferlisten ermöglichen keinerlei Sortierung oder einschränkende Suche. Abs. 23
LexisNexis bietet die Rechtsbibliothek zum Pauschalpreis von 99,76 EUR netto je Quartal (ein Nutzer) an, die Module zum Landesrecht sind zum Preis von 40,37 EUR netto je Quartal zusätzlich buchbar. Nach einer kostenlosen vierwöchigen Testphase ist das Angebot mit vierwöchiger Frist jeweils zum Ende eines Kalenderquartals kündbar. Abs. 23

V. Westlaw DE

Für das deutsche Angebot der weltweit verfügbaren Westlaw Online-Services (http://www.westlaw.com) greift Westlaw DE (http://www.westlaw.de) auf zahlreiche Lizenzpartner zurück. Derzeit werden 19 Zeitschriften (beispielsweise BB, EWS, K&R, StB, WRP, ZGR, ZHR, ZInsO) angeboten, an Kommentaren stehen neben "Staudinger" zum BGB unter anderem Stein/Jonas zur ZPO sowie der Heidelberger Kommentar GmbH-Recht und der AnwaltKommentar Aktienrecht zur Verfügung. Hinzu kommen zahlreiche Handbücher zum Zivil- und Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und Europarecht. Abgerundet wird das Angebot durch die integrierte Rechtsbibliographie Kuselit-R (http://www.kuselit.de/online.h tm). Abs. 24
Auch Westlaw DE hat die Gesetzessammlung Nomos Deutsches Bundesrecht (http://www.bundesrecht.de) lizenziert und ergänzt; dabei bleibt das Landesrecht praktisch unberücksichtigt. Kern des Rechtsprechungsmoduls mit 215.000 Entscheidungen ist die bewährte Sammlung Deutsche Rechtsprechung (www.deubner-verlag.de/drsp/ ). Dank der Integration von CELEX wird das Europarecht umfassend abgedeckt. Abs. 25
Die durchdachte Benutzeroberfläche bietet neben einer Schnellsuche namens "Dokument-Finder" die nur bei Westlaw DE integrierten Funktionen "Suchhistorie" und "NewsClip" (Benachrichtigung bei neuen Treffern zu früheren Suchanfragen). Anstelle einer umfassenden Suchmaske für alle Dokumente (die ebenfalls zur Verfügung steht), bietet man auf der Startseite für Gesetze, Rechtsprechung, Zeitschriften und Kommentare eigene Suchmasken (einschließlich Schlagwortlisten) und alternativ die Suche über Inhaltsverzeichnisse. Die beliebig sortierbare Trefferliste kann mittels einschränkender Kriterien erneut durchsucht werden. Der "Output Manager" gestattet den Export (pdf, doc, HTML) ausgewählter Dokumente, wobei zahlreiche Optionen wie die Ausgabe von Parallelfundstellen aktiviert werden können. Demgegenüber fehlen Funktionen zum Dokumentenmanagement fast völlig. Abs. 26
Auf der Webseite von Westlaw DE fanden sich zunächst keinerlei Angaben zu Preisen und Nutzungsbedingungen. Zwischenzeitlich bewirbt man dort einen Zugang zu den Standard-Datenbanken zu Pauschalpreisen ab 79,- EUR (ein Nutzer) netto monatlich bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten. Eine kostenlose Testphase ist nicht vorgesehen. Abs. 27

E. Fazit und Gesamtbewertung

Bei den Inhalten merkt man den Diensten beck-online und juris ihre Herkunft deutlich an: Während beck-online mit wissenschaftlicher Literatur im Originaltext überzeugen kann glänzt juris in den Bereichen Rechtsprechung und Normen. Diese Vorteile von beck-online und juris können Westlaw DE und LEGIOS bislang nicht ausgleichen. Gleichwohl gibt es auf allen Seiten noch Verbesserungsmöglichkeiten: der Beck-Verlag sollte auf seine fragwürdige Politik, Standardwerke dem Online-Angebot vorzuenthalten, verzichten und interessierten Juristen wichtige Gründe für die Nutzung eines kostenpflichtigen Online-Dienstes nicht länger vorenthalten. Bei allen Anbietern fehlt es vielfach an der Erschließung älterer Zeitschriftenbestände. Zudem lässt das gegenwärtige Online-Portfolio einige bekanntere Zeitschriften völlig vermissen, etwa die Titel von Luchterhand (StV, JA) und RWS (ZIP, ZBB, EWiR). Hier ist noch hinreichend Raum für Erweiterungen der Online-Dienste. Abs. 28
Zum Teil erheblichen Verbesserungsbedarf gibt es bei Funktionalität und Bedienung. Zwar können beck-online mit der vorbildlichen Verwaltung virtueller Aktenmappen, Westlaw DE mit den Funktionen zum Druck und Export von Dokumenten sowie juris und Westlaw DE mit den Suchoptionen und Suchmasken überzeugen; keiner der Online-Dienste bietet aber eine durchweg intuitive und flexible Benutzerführung. Innovatives lassen die Anbieter bislang weitgehend vermissen, allein Westlaw DE (NewsClip) und beck-online (mobiler Zugang Beck2Go) bemühen sich um erweiterte Funktionalität. Abs. 29
Wenig überzeugend und unübersichtlich ist die Kostenstruktur der Online-Dienste. Bei Abonnement-Modellen ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen schwer zu beurteilen. Der als Alternative in Betracht kommende Bezug von Einzeldokumenten ist ebenso unpraktisch: 12,- EUR für einen einzelnen Aufsatz aus dem Betriebsberater (ein Einzelheft kostet lediglich 7,- EUR) sind schlicht überteuert und machen die Vorteile der Online-Recherche schnell zunichte. Der von einzelnen Anbietern praktizierte Zwang zur langfristigen Bindung schreckt potentielle Nutzer eher ab. Stattdessen sollten kostenlose Testphasen ebenso selbstverständlich sein wie Angebote zur "by Call" Recherche einzelner Dokumente, die bislang nur LEGIOS ermöglicht. Abs. 30
Zudem ist die Ausrichtung der Angebote auf verschiedene Nutzerprofile noch verbesserungswürdig. Zwar werden zum Teil Fachmodule für unterschiedliche Nutzerprofile angeboten, diese wirken in der Zusammenstellung zuweilen aber beliebig oder es werden die Inhalte des jeweiligen Angebots nur unzureichend erläutert. Auch Studierende und Referendare werden als potentielle Zielgruppe bislang nur von beck-online gezielt umworben, allerdings mit einem nicht nur kosten-, sondern auch erheblich inhaltsreduzierten Angebot. Abs. 31
Angesichts der unterschiedlichen Nutzererwartungen, Kostenstruktur und inhaltlichen Ausrichtung der Angebote ist eine Gesamtbewertung kaum möglich. Unter Berücksichtigung dieses Vorbehalts bilden beck-online, juris und Westlaw DE (alle "vollbefriedigend") ein Führungstrio, in dem das beck-online als Testsieger knapp vorne liegt. Bei LEGIOS ("befriedigend") und LexisNexis ("ausreichend") sind demgegenüber noch signifikante Verbesserungen erforderlich. Abs. 32
juris bietet sich dort an, wo der Zugriff auf Normen und Rechtsprechung im Vordergrund steht. Als Alternative oder Ergänzung zu juris kommt beck-online in Betracht, dass allerdings im Bereich des öffentlichen Rechts noch Defizite aufweist. Westlaw DE entwickelt sich zunehmend zu einem gelungenen Kompromiss zwischen den beiden Klassikern, der nicht nur durch Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit, sondern auch in den Inhalten weitgehend überzeugen kann, wenn gleich bei Zeitschriften und Fachbüchern noch Defizite bestehen. LEGIOS ist bislang nur begrenzt praxistauglich, vor allem Bedienung und Benutzerführung sind zu umständlich und unflexibel. Auch fehlt es vielfach noch an Literatur und Normtexten. Kaum mit den übrigen Online-Diensten vergleichbar ist derzeit das Angebot von LexisNexis. Hier wird sich erst mit dem Start des neuen Dienstes zeigen, inwieweit die Lücken zu den Mitbewerbern geschlossen werden können.
JurPC Web-Dok.
205/2004, Abs. 33


Fußnoten:

(1) Sascha Kremer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht von Prof. Dr. Ulrich Noack an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und wirkt dort an Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Zentrums für Informationsrecht mit. Seine Interessensschwerpunkte liegen im Zivil-, Arbeits- und Wirtschaftsrecht sowie in den privatrechtlichen Fragen des Informationsrechts. Er betreibt das Weblawg "Vertretbar" (http://www.vertretbar.de).
(2) zu den offenen Fragen hinsichtlich der Zitierfähigkeit und Zitierweise von Online-Quellen siehe http://sci dok.sulb.uni-saarland.de/doku/zitieren.php, http://www.jurpc.de/au fsatz/20000078.htm und http://www.jurawiki.de/R ichtigZitieren
(3) eine Zusammenfassung der vielfältigen Angebote liefert "Zeit spart Geld - die juristische Suche im Internet" unter http://www.legamedia.net/legamall/2003/03- 10/0310_neubauer_anja_informationsquellen_01.php
(4) Das Zentrum für Informationsrecht an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurde 2003 mit Unterstützung der Deutschen Telekom AG (http://www.telekom.de) aufgebaut. Unter Leitung der Direktoren Prof. Dr. Altenhain (http://w ww.jura.uni-duesseldorf.de/dozenten/altenhain/), Prof. Dr. Dietlein (http://ww w.jura.uni-duesseldorf.de/dozenten/dietlein/) und Prof. Dr. Noack bietet das Zentrum neben Lehrveranstaltungen, Vorträgen und eigenen Veröffentlichungen voraussichtlich ab dem Wintersemester 2004/2005 den weiterführenden Studiengang LL.M. "Informationsrecht" an.
(5) Ab dem 01.07.2004 wird die europarechtliche Datenbank CELEX (http://europa.eu.int/celex) für Angehörige der Mitgliedsstaaten der europäischen Union unentgeltlich zugänglich sein.
* Sascha Kremer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht von Prof. Dr. Ulrich Noack an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und wirkt dort an Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Zentrums für Informationsrecht mit. Seine Interessensschwerpunkte liegen im Zivil-, Arbeits- und Wirtschaftsrecht sowie in den privatrechtlichen Fragen des Informationsrechts. Er betreibt das Weblawg "Vertretbar" (http://www.vertretbar.de).
[online seit: 24.05.2004 ]
Zitiervorschlag: Autor, Titel, JurPC Web-Dok., Abs.